Biographie
Unvergeßlicher Krankenbesuch: Im weißen Bettzeug, das zerknitterte, von einem Häubchen nach Schwesternart eingerahmte Gesicht, freundlich und aufmerksam uns zugewandt; die kranke Greisin, zufrieden wie eine Dienstmagd nach langem mühevollern Lebenswerk. Nichts an ihr, nichts in der Stube, deutete auch nur im geringsten darauf hin, daß das Geheimnis dieser Persönlichkeit einst weit über Deutschland hinaus einen leidenschaftlichen Disput entfacht hatte, leidenschaftlich geführt von den Angreifern, leidenschaftlich abgewehrt von den Anhängern. Nichts von den Aufregungen störte mehr die Stille dieser Stube und dieser leisen alten Frau, die sich, sehr müde und sehr fromm, nach dem endgültigen Frieden sehnte. Von kindlicher Einfalt war denn auch ihr karges Wort geprägt. Sie sprach vom lieben Gott und vom großen Vertrauen zu Ihm und von ihrem nahe bevorstehenden Heimgang. Ruth Schaumann, die Dicherin, war so ergriffen, daß sie beschloß, darüber ein Buch zu schreiben. Sie erinnert: Dann waren wir, an Kirche und Friedhof vorbei, hinaufgewandert zum Abhang, wo die behauenen Steine - einst für den geplanten Kirchenbau herangekarrt - im hohen Unkraut lagerten, traurig und verlassen anzusehen wie Ruinenstücke auf dem römischen Forum; nur, daß jene römischen Steine ihre Glanzzeit hinter sich hatten, während diese hier daran gehindert worden waren, sich zu einem Gotteshaus zusammenzufügen. Das war im Kriegswinter 1942. Die von ihr so sehnslichst erwartete Heimholung durch den Herrn fand sodann wenige Monate später statt.
Als der amtierende Ortspfarrer am Grabe der Schippacher Jungfrau die Vermutung aussprach, daß die Verstorbene vielleicht schon die Anschauung Gottes genieße und darum des Bittgebetes nicht mehr bedürfe, gab er damit der allgemeinen Überzeugung Ausdruck, daß mit dem Heimgang der Jungfrau ein heiligmäßiges Leben seinen irdischen Abschluß gefunden habe. Von einem heiligmäßigen Leben also handeln die Bücher und Abhandlungen überf Barbara Weigand. Es kann und will jedoch nur eine Skizze dieses inhaltreichen und merkwürdigen Lebens bieten, dessen ausführlichere Beschreibung späteren Federn vorbehalten bleiben muß. Aber es wurde geschrieben im Geiste katholischer Pietät, unbedingter Aufrichtigkeit, unbestechlicher Wahrheitsliebe und unbeugsamen Rechtsempfindens. Wenn es auch in diesem Geiste gelesen wird, dann wird es dazu beitragen, das Bild der Schippacher Jungfrau von den entstellenden Zügen zu reinigen, welche ihm Unkenntnis und Voreingenommenheit dereinst aufgeprägt haben; dann wird auch einmal der Tag kommen, an dem die Diözesen Würzburg und Mainz sich glücklich preisen, die eucharistische Blume von Schippach in ihrem Garten haben sprossen zu sehen.
Um den schlichten Grabstein im nahen Friedhof Schippach, dessen Inschrift den Namen „Barbara Weigand“ trägt, ist es still geworden. Daß die Verehrung des Altarsakramentes wachse, war ja das Herzensanliegen ihres Lebens, das sich in diesem Dienste verzehrte. Auch wer sich außerstande sehen würde, in ihrem Leben eine außergewöhnliche mystische Begnadung wahrzunehmen, könnte sich ehrlicherweise nicht sträuben, die Lauterkeit ihres Charakters, den Ernst ihrer Frömmigkeit, die Selbstlosigkeit ihrer Absichten und die Demut ihres Sendungsbewußtseins anzuerkennen.


