Betrachtungen über das Leben der Barbara Weigand
In seinem Abschlußdokument zum Heiligen Jahr 2000 „Novo Millennio ineunte“ in Nr. 32 ff. hat Papst Johannes Paul II. dem Bedürfnis nach Gebet und Spiritualität sein besonderes Augenmerk gewidmet. „Ist es nicht vielleicht ein ‚Zeichen der Zeit’, daß man heute in der Welt trotz der weitreichenden Säkularisierungsprozesse ein verbreitetes Bedürfnis nach Spiritualität verzeichnet, das größtenteils eben in einem erneuten Gebetsbedürfnis zum Ausdruck kommt? Da uns die Gnade gegeben ist, an Christus zu glauben, den Offenbarer des Vaters und Retter der Welt, haben wir die Pflicht zu zeigen, in welche Tiefe die Beziehung zu ihm zu führen vermag, zu unsagbarer Freude, die von Mystikern als ‚bräutliche Vereinigung’ erlebt wurde und als Leidenschaft der Gefühle, bis hin zu einer richtigen ‚Liebschaft des Herzens’.“
In einer großen Schau am Herz-Jesu-Freitag im August 1897 hört Barbara die Stimme ihres göttlichen Meisters:
„Die Welt steuert darauf los, alles über Bord zu werfen, den Glauben zu untergraben und aus der Welt hinauszuschaffen, weil sie in ihrem Vorhaben keinen Glauben mehr brauchen kann; denn die Völker sind gottlos geworden, und Meine Hand lastet schwer auf Meinem Volk. Wenn das Volk Gottes abgewichen ist vom rechten Weg, dann überlasse Ich es seinem Schicksal und Willen, und wenn es seinem Willen überlassen ist, dann folgt es seinem Willen, und ich habe ihm, dem Menschen, seinen freien Willen gegeben, damit er wählen kann zwischen Gut und Böse. Dies ist ja seine Prüfung, zu wählen zwischen Gut und Böse. Habe Ich ja diesen Menschen Mir ähnlich gemacht, habe Ich Meinen Geist ihm aufgeprägt, damit er, wenn er die Prüfungszeit vollendet hat, er mit Mir herrsche und nicht mehr unterworfen sei, nicht mehr unterjocht, nein, nach dieser Prüfungszeit soll der Mensch mit Mir herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit! Nun habe Ich ihm, damit der andere Geist, den Ich gleich von Meinem Angesicht auf ewig vertilgte, Mir nicht ein Unrecht vorwerfen kann, dem Menschen zu seiner Prüfungszeit den freien Willen gegeben. Mißbraucht nun der Mensch seinen freien Willen, um Mir dadurch zu mißfallen, um Mein Gesetz zu verachten, um Mein Gebot mit Füßen zu treten, so überlasse Ich ihm seinen Willen, und der Mensch sinkt von Tag zu Tag tiefer hinein in das Laster, unter das Tier, und weil Meine Barmherzigkeit größer ist als alles, was der Mensch in seiner Bosheit nur ersinnen und erdenken kann, darum muß Ich den Menschen von Zeit zu Zeit schon hienieden auf Erden Meine Gerechtigkeit fühlen lassen, um ihn wieder auf die rechte Bahn einzulenken, um dem Menschen zu zeigen, daß Ich allein Gott bin. Nun ist die Zeit gekommen, und es ist nicht mehr ferne, ja die Morgenröte ist schon da, wo die Völker einer harten Züchtigung übergeben sind und wo die Guten mit den Bösen leiden müssen. Deswegen habe Ich schon bei meiner letzten Belehrung gesagt, daß diejenigen, die zu Mir in Treue halten, Meinen Geist in sich aufnehmen werden und so in sich aufnehmen, daß sie ihren Feinden wie von einem Lichtstrahl umgeben vorkommen; denn sie wer-den mit einem Freimut vor sie hintreten und sich nicht fürchten vor den Gottlosen, so daß jene Gottlosen kleinlaut und schüchtern dieser Person gegenüberstehen, weil sie sehen, wie ohnmächtig sie sind in all ihrer Bosheit. Es wird die Zeit kommen, wo jeder auf eigenen Füßen stehen und feststehen muß, wo der Bruder nicht auf den Bruder schauen kann, die Schwester nicht auf die Schwester, weil die Züchtigung eine gar herbe und bittere sein wird. Und seht, weil der Glaube so erschüttert ist unter den Menschen, auch unter den Besten, und sie alles ins Natürliche hineinziehen, diese Menschen, so fällt es schwer, etwas Gutes anzubringen, wenn diejenigen, die Ich hinaussende unter das Volk Gottes, nicht selbst tief eingewurzelt sind in der Demut, die das Fundament des Glaubens ist, des Glaubenslebens. Ihr müßt also bei all den Erfahrungen und Prüfungen, womit Ich euch hin- und herschwenke, ruhig weitergehen, eingedenk der Worte, die Ich dir vor vielen Jahren aufgetragen: ‚Du mußt über dich weggehen und tun, was Ich dir sage.‘ Dieses muß das Losungswort aller Mitglieder des Liebesbundes sein bei allen den Erscheinungen, die da zutage treten, bei all den Bemühungen und Opfern, die sie gebracht und bei denen dennoch das Gegenteil zum Ausschlag gekommen ist, und ruhig weitergehen und feststehen im Glauben; denn es wird die Zeit kommen, wo sich einer am anderen anstoßen und ärgern wird, weil die
Menschen sich selbst überlassen sind. Und doch soll die Welt gerettet werden, und doch ist dies alles nur ein Beweis Meiner göttlichen Liebe. Nicht verderben will Ich den Menschen, nur retten mit der Zuchtrute. Darum harret aus! Steht fest im Glauben und im Vertrauen und in der Liebe, ob einer es glaubt von denjenigen, denen ihr es mitteilt, oder nicht. Denn es ist ein großer Fehler und ein Kunstgriff Satans, daß er es fertiggebracht, selbst die besten Kinder Meiner Kirche zu einer solchen Schwarzgläubigkeit zu bringen, daß sie den Wunderglauben untergraben helfen, durch dessen Macht so viele Kinder, so viele Heilige, gebildet wurden in Meiner Kirche. Der Wunderglaube zieht sich wie ein goldener Faden vom Beginn Meiner Kirche bis zum neunzehnten Jahrhundert, und jetzt, ja jetzt wollen Geister aufstehen und das Übernatürliche, was bis jetzt der Menschenverstand nicht erfunden, wollen sie erfunden haben. Jene Priester, die da halten zu solch gelehrten, in der Wissenschaft fortgeschrittenen Geistern, sollen es probieren, ob sie mit ihrer Wissenschaft die Sünder bekehren, die Seelen im Heilsleben vorwärtsbringen und die Seelen durch solch nackten Glauben auch nur um ein Fünklein in der Gottesliebe weiterbringen; dann will Ich ihnen beipflichten. Ich aber sage euch, es wird die Zeit kommen, wo sie sich umstellen und sagen: ‚O Herr, sei mir armem Sünder gnädig. Trete ein, o Herr, rette mich. Herr, rette mich, sonst gehe ich zugrunde!‘ Ja, dann, alsdann werden sie glauben, daß Ich Wunder wirken muß.
Dies alles ist aber die Zuchtrute, womit Ich die Menschen und Meine Diener geißele; denn da sie abgewichen sind vom kindlichen Glauben, überlasse Ich sie ihrer eigenen Vernunft, und ohne es zu wissen, übergeben sie sich ihrer Vernünftelei. Was ist aber die Wissenschaft und Gelehrsamkeit aller Menschen, auch der ganzen Welt zusammengenommen, gegen den Glauben und die Wissenschaft eines einzigen Kindes der katholischen Kirche, das kindlich fromm noch glaubt? Darum werdet nicht irre, wenn hie und da manches vorkommt, denn ihr müßt geschult werden, ihr müßt noch lernen. Die Demut ist die Mutter des Glaubens, und der Glaube erfordert vor allem zum Fundament eine tief gegründete Demut. Deswegen, um die Demut zu begründen in euch und allen Mitgliedern des Liebesbundes, werde Ich manches über euch kommen lassen, was ihr nicht versteht, und dennoch müßt und sollt ihr glauben; denn Meine ganze heilige Religion, denn Meine ganze heilige Kirche ist ein Asyl, worin die Mitglieder glauben müssen, ohne zu verstehen. Ich wohne unter euch, und ihr versteht es nicht. Ich wohne in euch, in euren Herzen und rede mit euch eine Sprache, und ihr versteht Mich nicht, weil ihr Geschöpfe, armselige Wesen seid, und Ich, euer Schöpfer und Herr, diesen Vorrang vor euch haben muß. Von euch kann Ich nur verlangen, daß ihr Meinen Fügungen demütig euch unterwerfet und Meine Worte glaubt.
Diejenigen aber, die ihr Mir anbefehlet, wenn ihr fortgewandelt in einem tiefen, einfachen kindlichen Glauben, werden gerettet werden, auch wenn es am Rande des Grabes ist. Dieses soll der Lohn sein, den Ich euch geben will und gebe für felsenfesten, entschiedenen, guten Willen. Ohne zu häkeln, ohne zu zweifeln, sollt ihr nur ruhig weitergehen, wenn es auch noch etwas lichter werden wird, aber der volle Tag, das volle Licht, wird erst hereinleuchten, wenn eure Lebensbahn zu Ende ist. Dann sollt ihr alles in dem Licht schauen, wie Ich es Selbst schaue; dann sollen alle Pläne, die Ich damit gehabt, daß das Licht Ich euch verbarg, daß ihr manches nicht versteht, offen vor euch stehen, und ihr werdet mit Entzücken und aufjubelnd mit allen Engeln und Heiligen einstimmen in den Lobgesang: ‚Großer Gott, wir loben Dich, Herr, wir preisen Deine Stärke, vor Dir neigt die Erde sich und bewundert Deine Werke; wie Du warst vor aller Zeit, so bleibst Du in Ewigkeit!‘ Seht, Meine Kinder, dieser Lobgesang, den Ich Selbst einer gottliebenden Seele in den Mund legte, geht dann erst ganz in Erfüllung, wenn ihr eintreten werdet in jenes Licht, das euch hier in diesem Leben immer noch dunkel vorkommt, wenn ihr eingegangen seid in die ewige Herrlichkeit. Auch wenn Ich eine Seele einführe und ihr einen Teil Meiner Allwissenheit zugute halte, weil Ich durch diese Seele andere herbeiführen, andere leiten und ihnen zeigen will, wie gut Ich bin, so ist dieses Licht aber doch nur ein Dunkel; denn ihr alle müßt bekennen, daß ihr schwache, armselige Geschöpfe seid vor Mir, die Meine Hand erschuf und die sich Meinem Willen beugen müssen. Aber sooft dieser Lobgesang angestimmt wird, dann erinnert euch, was Ich gesagt heute Abend. In der Ewigkeit, an der Goldenen Pforte, werdet ihr erst erfahren, was dieser Lobgesang bedeutet.“


