Im Urteil von Bischöfen und Priestern
Warum so viele Priester über Barbara Weigand nur Gutes berichten?
Eine Gruppe von Priestern und Laien aus der Diözese Würzburg hat sich in einer schriftlichen Eingabe vom 5. November 1975 an den Bischof von Würzburg gewandt und ihn gebeten, ein Verfahren zur Seligsprechung Barbara Weigands einzuleiten. Um diese Zeit 1975 lebte in Würzburg der katholische Journalist Franz Graf Magnis, der das kirchliche Zeitgeschehen aufmerksam verfolgte. Die innerkirchlichen Auseinandersetzungen um die Eucharistie bereiteten ihm Sorgen: Die Anbetung trat zurück. Die einen sahen im heiligen Messopfer vorwiegend ein Mahl, andere betonten den Opfercharakter. Manche traten für die Einführung der sogenannten „Handkommunion“ ein, wogegen andere die herkömmliche Weise des Kommunionempfangs für die allein richtige hielten. In der Arbeitsgemeinschaft „Das große Zeichen - Die Frau aller Völker“ fand Graf Magnis das Bemühen um eine zeitgemäße und an der Lehre der Kirche ausgerichtete Spiritualität. In dieser Gemeinschaft wirkte als ehrenamtliche Mitarbeiterin eine Frau Eugenie Hetzer. Sie kannte Barbara Weigand und sah in ihr eine Helferin in dem Bestreben, ein rechtes Verständnis der heiligen Eucharistie und deren Verehrung zurückzugewinnen. Graf Magnis erhielt aus der Pfarrei Rück-Schippach die erwähnten Kalenderbeiträge von Max Rößler und Wilhelm Büttner aus dem Jahr 1974.
Von da an wurde in der geistlichen Beiratschaft der genannten Arbeitsgemeinschaft öfter über Barbara Weigand und das pastorale Anliegen gesprochen. An den Gesprächen nahmen, außer Graf Magnis, vor allem der in der Pfarrei Rück-Schippach tätige Pfarrer Friedbert Branz SDS, Pater Franz Georg Waldburg-Zeil SJ. und Pfarrer Albrecht von Raab Straube aus der Erzdiözese Paderborn teil. „Dabei kristallisierte sich immer deutlicher heraus“, wie Graf Magnis später schreiben wird, „daß angesichts der innerkirchlichen Auseinandersetzungen die Diözese Würzburg in Barbara Weigand und der St. Pius-Kirche von Rück-Schippach ein geistiges Eucharistisches Zentrum besitzt, von dem stärkste Impulse zur Überwindung der innerkirchlichen Krise um die heilige Eucharistie ausgehen. Insbesondere der von Barbara Weigand im Auftrage des Herrn gegründeten „Eucharistischen Liebesbundes des göttlichen Herzens Jesu“ für Familien, zutiefst konziliar, bietet besondere geistlichen Möglichkeiten, dem schon damals sich abzeichnenden Zerfall der Familien entgegenzuwirken durch ein gemeinschaftliches Leben aus dem Eucharistischen Sakrament nach dem Beispiel von Barbara Weigand.“
Graf Magnis vertraute sich dem Würzburger Generalvikar Justin Wittig an, mit dem er sich gut verstand. Von ihm beraten und ermutigt, bereitete er einen schriftlichen Antrag vor, mit dem der Bischof von Würzburg gebeten werden sollte, ein Verfahren zur Seligsprechung Barbara Weigands einzuleiten. Wittig empfahl, den zuständigen Dekan Erwin Happ, Pfarrer von Mechenhard, an dem Vorhaben zu beteiligen. Daraufhin trafen sich an diesem 5. November 1975 in Rück-Schippach etwa 20 Priester und Laien, von denen einige Barbara Weigand noch persönlich gekannt hatten, unter ihnen Pfarrer Josef von Traitteur, der von 1932 bis 1957 Pfarrer von Rück-Schippach gewesen war und ein halbes Jahr später, nämlich am 2. Mai 1976 im Alter von 86 Jahren gestorben ist. Sie unterschrieben als erste den vorbereiteten Antrag und trugen sich in das „Unterschriftenbuch für die Seligsprechung Barbara Weigands“ ein, das damals angelegt wurde. Es lag bis November 1979 in der St. Pius-Kirche auf. Die Zahl der Unterschriften wuchs im Laufe der Zeit auf über 4000 Unterschriften an.
Das Bischöfliche Ordinariat Würzburg gab im Würzburger Diözesanblatt vom 15. März 1976 bekannt, daß es „auf Anregung einer Gruppe von Priestern und Laien prüfe, ob ein Ortsoberhirtliches Erhebungsverfahren zur Seligsprechung Barbara Weigands zu eröffnen sei“, und forderte dazu auf, Wissenswertes mitzuteilen. In der folgenden Zeit wurde eine Anzahl von Personen, die Barbara Weigand noch gekannt hatten, als Zeugen gehört. Der Elsenfelder Diözesanpriester DDr. Adam Zirkel, der sich seit Jahren anhaltend für die Aufarbeitung der Schippacher Angelegenheit und die Verbreitung der Schippacher Schriften eingesetzt und darüber auch einen Redaktionsbeitrag in der Obernburger Zeitung in einem Artikel „Prozeß der Seligsprechung“ berichtet hat, bat darin ebenfalls das Gottesvolk auf, sich für die Seligsprechung der Dienerin Gottes Barbara Weigand zu interessieren und, soweit vorhanden, hierzu Unterlagen dazu bereitzustellen und diese dem Bischöflichen Ordinariat Würzburg mitzuteilen, damit diese sie einsehen und ablichten kann.“
Am 19. Mai 1976 schreibt Eugenie Hetzer an den Bischof von Würzburg, Dr. Josef Stangl, daß sie „mit großer Freude“ im Bistumsblatt gelesen habe, „daß Sie die Vorbereitung der Eröffnung eines Seligsprechungsprozesses für die Dienerin Gottes, Barbara Weigand, eröffnet haben.“ Und weiter: „In den letzten Monaten habe ich 1.132 Unterschriften in Würzburg mit der Bitte um Eröffnung des Seligsprechungsprozesses gesammelt. Spontan und freudig haben ganze Konvente geschlossen unterschrieben: Franziskanerinnen von Maria Stern, 87 Würzburg, Bohnesmühlgasse 16; Töchter des Allerheiligsten Erlösers, 87 Würzburg, Ebracher Gasse 6; Ursulinen, 87 Würzburg, Augustinerstr. 17; Englische Fräulein, 87 Würzburg, Annastr. 6; Dienenrinnen der heiligen Kindheit Jesu, 8702 Kloster Oberzell sowie die Ritaschwestern, 87 Würzburg, Friedrich-Spee-Str. 32. Als Anlage fügte Frau Hetzer die entsprechenden Unterschriftslisten bei.
Weitere 3.500 Unterschriften waren zu diesem Zeitpunkt in Unterschriftenlisten im Pfarramt der St. Pius-Kirche in Schippach bereits gesammelt worden und wurden später an den Würzburger Bischof nachgereicht. Insgesamt kamen dadurch 8.400 Unterschriften zusammen. Im Text der Petition wird um die Eröffnung des Seligsprechungsprozesses für Barbara Weigand ersucht, „um in dieser Zeit des erfreulich häufigen Kommunionempfangs das Bewußtsein für die reale Gegenwart Jesu Christi im eucharistischen Sakrament lebendig zu halten.“ Dazu dann noch der wichtige Satz: „Barbara Weigand wird aufgrund ihres auf die Eucharistie hingeordneten Lebens als Zeugin der realen Präsenz Christi in der Eucharistie bezeichnet.“ In dieser Pressemitteilung des Würzburger Bischofs (POW) wird ausdrücklich mitgeteilt „Das Bischöfliche Ordinariat Würzburg hatte am 15. März bekanntgegeben, daß die Voruntersuchung für die eventuelle Eröffnung des Seligsprechungsprozesses begonnen haben; wer mündlich oder in schriftlichen Dokumenten Auskunft über Barbara Weigand geben kann, wurde gleichzeitig aufgefordert, diese dem Ordinariat zur Verfügung zu stellen.“ Diese Bischöfliche Pressemitteilung wurde auch im Sonntagsblatt ausdrücklich bestätigt.
Zum damaligen Zeitpunkt schon gab es die „Lefebvre-Bewegung am Untermain“, die von Würzburg aus mit kritischer Anstrengung beobachtet wurde. Graf Magnis in einer Notiz: „Zweifellos sind viele Menschen am Untermain und im Spessart für mystische aber auch pseudomystische Phänomene disponiert. Die Diözese Würzburg besitzt in Rück-Schippach die Pius Kirche, die auf Anregung von Barbara Weigand errichtet, von Kardinal Döpfner genehmigt und vom verstorbenen Bischof Josef geweiht wurde.“ Graf Magnis entwarf in seinen Gedanken an den Würzburger Bischof auch noch folgende Überlegung: Mit der Pius-Kirche in Rück-Schippach als „Eucharistisches Zentrum“ und in der Person Barbara Weigands als überaus glaubwürdige und überzeugende Eucharistinerin hätte nun die Diözese Würzburg die Möglichkeit, die für Mystik aber auch für Pseudomystik disponierten Gläubigen im Untermain-Gebiet hinter einer echten Aktivität in der Kirche zu sammeln. Graf Magnis verweist zu Recht auf das Leben Barbara Weigands, das ganz im Dienst der Verehrung der heiligen Eucharistie gestellt war: der häufige Empfang der heiligen Kommunion, der Liebesbund mit dem eucharistischen Heiland und dessen Verwirklichung in Familie und Gesellschaft. „Dieses Postulat“, so Graf Magnis, „mit der Person von Barbara Weigands, wären für das gesamte Untermain-Gebiet aber auch für die Kirche nach dem Konzil voll aktuell.“ In seinen Gedanken stellt Graf Magnis zum Schluß noch fest, wohl auf dem Hintergrund des von ihm geforderten Eucharistischen Zentrums in Schippach, quasi schon damals eine weise und kluge Bitte, man möge die Besetzung der Pius-Kirche mit einem „nüchternen und klugen Diözesanpriester“ besetzen. Auch hierzu drängen sich mir einige sehr bewegende Überlegungen auf, über das einiges zu sagen wäre.
Es steht also ohne jeden Zweifel fest, daß Bischof Dr. Josef Stangl von Würzburg die Vorbereitung des Seligsprechungsprozesses der Barbara Weigand noch zu Lebzeiten (1977) eröffnet hat. Auch muß die Initiative hierzu der Arbeitsgemeinschaft ‚Das große Zeichen - die Frau aller Völker’ E.V. mit Sitz in Würzburg, zu der auch Graf Franz Magnis zählte, zugesprochen werden, die diese in Abstimmung mit dem Bischöflichen Ordinariat Würzburg und mit Gutheissung des verstorbenen Kardinals Julius Döpfner ergriffen hat.
Diese Unterschriftenlisten lag in einem „Unterschriftenbuch für die Seligsprechung Barbara Weigands“ in der St. Pius-Kirche in Schippach während der Zeit vom 5. November 1976 bis einschließlich 15. November 1979 offen und enthielten nach Angaben des Pfarrers Wilhelm Kley allein 4.597 Unterschriften. In das Buch sind die einzelnen Unterschriftenlisten lose eingefügt. Darin waren auch die Namen von 29 Priestern aus der Region enthalten, wie wir glaubhaft machen können. „Die Unterschriften können mit Hilfe der auf der Liste in Klammern gesetzten Daten leicht nachgeschlagen werden“, so DDr. Adam Zirkel in einem Brief an den Bischof von Würzburg. Auch eine gehörige Zahl von Ordenspriestern und Priestern aus anderen Regionen haben sich in dieses Buch eingetragen und damit Partei ergriffen und Zeugnis abgelegt für das heiligmäßige Leben der Schippacher Jungfrau und Seherin Barbara Weigand.
Folgende Diözesanpriester der Diözese Würzburg sind darin verewigt: Josef von Traitteur am 5. November 1975; Erwin Rapp, Dekan am 5. November 1975; Robert Brendel am 5. November 1975; Franz Sikora am 8. November 1975; Karl Roth am 11. November 1975; Josef Ullrich am 11. Januar 1976; Alfred Stürmer am 23. Februar 1976; Albert Gliesche am 1. Mai 1976; Dr. Max Rößler am 5. Mai 1976; Walter Stier am 24. Mai 1976; Theo Hain am 25. August 1976; Waldemar Müller am 31. August 1976 (ord. 1977); Gerd Goldhammer 27. September 1976; Herbert Neeser 7. Oktober 1976; Peter Pretscher am 12. Oktober 1976; Lorenz Wirth am 14. Oktober 1976; Karl Dietz am 22. Oktober 1976; Hans Schwarz am 28. Dezember 1976; Lorenz Heilmann am 28. Juli 1977; Hermann Wolpert am 14. August 1977; Hermann Josef Ludwig am 16. August 1977; Dr. Ludwig Pfeifer am 28. August 1977; Walter Lederer am 3. Oktober 1977; Ludwig Gerstenberg am 9. Oktober 1977; Ferdinand Welzbacher am 11. Oktober 1977; Ernst Janik am 23. Oktober 1977; Hans Link am 13. September 1978; Ludwig Müssig am 3. Oktober 1978 sowie Berthold Scheuring am 12. August 1979.
Zudem sind folgende Priester außerhalb der Diözese Würzburg darin aufgeführt: P. Friedbert Branz, SDS am 5. November 1975; P. Arnold Renz, SDS am 5. November 1975; P. Ernst Alt am 5. November 1975; P. Franz Georg von Waldburg-Zeil S.J. München am 10. Januar 1976; Prälat Othmar Weis, Mainz am 14. September 1976 sowie P. German Heß am 14. September 1977. Weitere Priester aus allen Schichten folgten diesem Aufruf.
Aber auch rund zehn Jahre später drängten engagierte Priester und Ordenspriester in der Diözese Würzburg, voran der spätere Mitbegründer und Vorsitzende der 1990 gegründeten „Barbara-Weigand-Gesellschaft“ E.V. Elsenfeld, Pfarrer DDr. Adam Zirkel, den damaligen Bischof Dr. Paul Werner Scheele, die Kanonisation der Dienerin Gottes Barbara Weigand einzuleiten und zu diesem Zweck Erhebungen über ihr Leben, ihre Tugenden und den Ruf ihrer Heiligkeit anzustellen, wie in den Archivunterlagen nachzuschlagen ist. In einem Aufruf an einige seiner Mitbrüder in der Diözese Würzburg erinnerte er an einen festlichen Dankgottesdienst in der St. Pius-Kirche in Schippach, der anlässlich des 25. Jahrestages der Weihe der St. Pius Kirche in Schippach gefeiert wurde. Bei einem anschließenden Mittagsessen hatte der Pfarrer i. R. und Bischöflicher Geistlicher Rat Peter Klement, der zur Zeit des Kirchenbaues Dekan von Obernburg gewesen war und an dem Dankgottesdienst als Konzelebrant teilgenommen hatte, in einer Tischrede angeregt, die bereits früher in Angriff genommene Seligsprechung Barbara Weigands doch weiter zu betreiben. Diesem frommen Wunsch hatten sich viele dort sichtbar gerührt angeschlossen. Dabei hatte der Briefschreiber daran erinnert, „Papst Johannes Paul II. hat durch die Apostolische Konstitution „DIVINUS PERFECTIONIS MAGISTER“ vom 25. Januar 1983 das Kanonisationsverfahren neugeordnet. Darin heißt es: „Den Diözesanbischöfen.. kommt innerhalb der Grenzen ihrer Jurisdiktion das Recht zu, sei es von Amts wegen, sei es auf Antrag einzelner Gläubiger oder rechtlich anerkannter Gruppen und deren Vertreter, Erhebungen anzustellen über das Leben, über die Tugenden oder das Martyrium und den Ruf der Heiligkeit bzw. des Martyriums, über behauptete Wunder sowie gegebenenfalls über eine althergebrachte Verehrung des Dieners Gottes, dessen Kanonisation beantragt wird.“
Zirkel fährt dann in seinem schriftlichen Aufruf fort: „Wenn Sie sich dem Wunsch nach der Seligsprechung Barbara Weigands anschließen wollen, bitte ich Sie, dies durch Ihre Unterschrift und die übrigen Angaben auf dem beiliegenden Blatt zu bekunden, wenn möglich weitere Personen, die dies ebenfalls wünschen, zur Unterschrift einzuladen und mir das Blatt zurückzuschicken, damit ich es dem Herrn Bischof übergeben kann.“ Dieser Brief ging an folgende Geistliche Herren: Msgr. Max Rößler; Pfarrer Peter Klement; Pfarrer P. Wilhelm Kley; Dekan Erwin Happ; Pfarrer Alfred Stürmer; Kaplan Gregor Weinbeer; Pfarrer Heinz Hepp; Pfarrer Anton Emge; Pfarrer Dr. Benno von Bundschuh sowie Pfarrer Leo Giegerich.
Pfarrer Adam Zirkel war auch Hauptzelebrant und Festredner anläßlich des Silberjubiläums (25. Jahrestages) der Kirchweihe der St. Pius-Kirche in Schippach an 29. September 1985. Diese Festpredigt begann er mit den Worten: „Was ist das Besondere an dieser Kirche? Was unterscheidet sie von allen Kirchen auf der ganzen Welt? Es ist die Geschichte ihrer Entstehung. Diese Geschichte beginnt mit einer Frau aus dieser Gemeinde, aus Schippach: Barbara Weigand. Darum darf ich, darum muß ich heute ihr Leben erzählen.“ Pfarrer Zirkel war auch kirchenamtlicher Notar im Auftrag von Würzburg bei der Umbettung der sterblichen Überreste von Barbara Weigand am 12. September 184. Zufall oder Vorsehung? Schon damals wäre er, mit Pfarrer Alfred Stürmer, mit Barbara Weigand verwandt, der rechte Mann gewesen, um die causa von Barbara Weigand in die Hand zu nehmen. Auch die Anbetung in der Sakramentskapelle in Schippach drei Tage in der Woche, während des ganzen Jahres, geht auf Barbara Weigand zurück. Die Pläne der Vorsehung Gottes sind wahrhaft geheimnisvoll. Auch hatte sich der Priesterrat der Diözese Würzburg sich in seiner ordentlichen Plenum-Sitzung vom 5. November 1985 ausführlich mit dieser und anderen Fragen zur Angelegenheit Barbara Weigands befasst und soweit wir wissen, sich positiv zu dem Verlangen der Diözesanpriester zur Fortentwicklung dieser Angelegenheit ausgesprochen.
Es waren also vor allem Priester der Diözese Würzburg, die an vorderster Stelle sich für die Aufarbeitung und ein würdiges Gedenken der Schippacher Jungfrau und Seherin Barbara Weigand engagiert haben. Das führte auch zur Gründung dieser Gesellschaft zur Förderung der causa Barbara Weigand, um eine gründliche theologische Aufarbeitung der Materie voranzutreiben und letztlich ihren Vorstoß auf Einleitung eines ordentlichen Seligsprechungs-verfahren für Barbara Weigand beim Würzburger Bischof Nachhaltigkeit und öffentliches Interesse herzustellen. „Die Barbara-Weigand-Gesellschaft“ will, wie es in ihrer Satzung auch heißt, „die Erinnerung an Barbara Weigand wachhalten, sowie ihre Berufung und Sendung kennenlernen, in die Gegenwart übersetzen und leben.“ Auch kann man nachlesen in den damaligen Aufzeichnungen, „der Satzungszweck wird verwirklicht durch die Vergabe eines Forschungsauftrages zur Schaffung einer neuen Biographie, durch andere Veröffentlichungen über Barbara Weigands Leben und Sendung, durch die Abschrift und gegebenenfalls Drucklegung, ganz oder auszugsweise, der Aufzeichnungen über ihre „Gesichte und Ansprachen“, durch deren theologische Begutachtung, durch Vortragsveranstaltungen, durch eine jährliche Eucharistiefeier in der St- Pius-Kirche in Schippach und durch „andere Vorhaben“, die dem Vereinszeck dienen.
Die Gründungsversammlung fand am 20. Juni 1989 im Pfarrsaal von St. Pius in Schippach statt. Zuvor fanden sich die Teilnehmer in der Sakramentskapelle gegen 16.30 Uhr, wo um diese Zeit gerade das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt war, mit Gesang und Gebet ein. Man beschloß die Satzung des Vereins und wählte einen Vorstand und wählte Pfarrer DDr. Adam Zirkel zum Vorsitzenden des Vereins. Insgesamt hatten sich 22 Mitglieder als Gründungsversammlung etabliert, darunter allein 6 Priester: Adam Zirkel, Dekan Erwin Happ, Wilhelm Kley, Alfred Stürmer, Gregor Weinbeer und Gerd Goldhammer sowie etliche Priester. Am 2.10.1990 waren es schon 54 Mitglieder; am 3.10.2008 dann 111; zwischenzeitlich stieg die Zahl der Mitglieder gar auf über 124 an.
In einem Brief des Pfarrers Alfred Stürmer an seinen Bischof Paul-Werner Scheele in 1989 drängt er auf mehr Beachtung und Wohlwollen der Diözese für die Angelegenheit Barbara Weigand und ihre Mystik, „ja, die für uns alle und für die ganze Kirche brennend aktuelle geworden ist, bzw. immer schon war und der Geist der Schippacher Schriften mehr erkannt und von der Kirche mehr gewürdigt werde.“ Dies bekräftigt Stürmer auch in seinem Brief an Adam Zirkel, in dem er seine Briefe in gleicher Sache an die Bischöfe von Würzburg und Mainz noch einmal begründet und die geistlichen Persönlichkeiten um nachhaltige Wahrheitsfindung in der Schippach Sache ersucht, auf dem Hintergrund seiner eigenen Seelsorgsarbeit, die er an einigen Punkten beispielshaft aufarbeitet und darin den dringenden Bedarf nach veränderter Sicht- und Handlungsweise in der Kirche stellt: „daß ich mir oft wünsche, daß doch der Geist, der in den ‚Schippacher Schriften‘ atmet, auch unsere heutige Pastoralarbeit und alle Gläubigen erfassen möge. Leider scheint die Drohung des Heilands von damals, daß Er mit Vollendung strafen kann.“
Jesus: „Schreibe Meinen Kindern, daß sie ruhig bleiben, wo sie sind. Bin Ich nicht mächtig genug, sie zu beschützen? Auch Deutschland muss gestraft werden, weil Meine Diener zu stolz sind, Meine Worte anzunehmen und den Kirchenbau vernichten wollen, den Ich als Ölzweig des Friedens errichten wollte. Sie müssen mit Meinem Volk gestraft werden, weil sie die Worte, die Ich an sie richte in den Schriften, nicht beachten, und dadurch auch die Worte Meines Dieners Paulus nicht, der da sagt: ‚Prüfet alles, was gut ist, behaltet.“
Aus ihrem Mainzer Aufenthalt stehen gleichfalls genügend Zeugnisse zur Verfügung, welche das Charakterbild der Jungfrau beleuchten. So äußerte sich der damalige Provinzial der Kapuziner, P. Alphons, der durch acht Jahre ihr Beichtvater war: „Ich habe von jeher das Mädchen bewundert wegen seiner tiefen Frömmigkeit, die ich oft von meinem Beichtstuhl aus beobachten konnte“; „Das Mädchen ist so einfach und anspruchslos und macht so garnichts aus sich, und ich demütige sie immer so sehr und doch kommt sie immer wieder“. Von seinem Nachfolger P. Bonifaz O. Cap. erfuhr P. Felix Lieber O.F.M., der ihn eigens um sein Urteil angegangen hatte, daß „er sich stets nur an ihr erbauen konnte, namentlich wenn er vom Beichtstuhl aus sah, wie Barbara in ihrer Klosterkirche so andächtig den Kreuzweg ging“. Bischof Haffner von Mainz nennt im Jahre 1896 Barbara „eine schlichte, tugendhafte und fromme Person“. Das Bischöfliche Ordinariat Mainz bestätigt amtlich unterm 14. August 1900, daß genannte Barbara Weigand durchaus den Eindruck einer braven Person macht“. Stadtpfarrer Dr. Velte von St. Ignaz, zu dessen Pfarrei Barbara von 1885 bis zu ihrem Weggang von Mainz, also mehr als dreißig Jahre lang gehörte, äußerte sich am 30. März 1911 in einem Briefe also: „Wie vordem, so habe ich auch bis auf den heutigen Tag nichts Auffälliges an ihr gefunden und kann ihr nur meine Zufriedenheit aussprechen“, ein Lob, das er am 24. Juni 1912 in einem weiteren Briefe an P. Felix Lieber noch verstärkt: „Vorerst muss ich betonen, daß ich bereits von Anfang an, seitdem ich Barbara kenne, bis auf den heutigen Tag dieselbe nur günstig beurteilt habe. In ihrem ganzen Benehmen ist nichts Auffälliges, sie ist vielmehr stets anspruchslos, schlicht und bescheiden, so daß man aus ihrem Äußern ihre große Frömmigkeit nicht erraten kann“.
Pfarrer Riedmann, der von 1904 bis 1907 Lokalkaplan in Rück-Schippach war und viel persönlich mit Barbara verkehrte, schrieb dem Verfasser im Jahre 1924, als ihm eine kleine Abwehrschrift, in der ich Barbara gegen die Presseangriffe etwas in Schutz genommen hatte, zu Gesicht gekommen war: „Besonders freut mich, daß endlich die arme, zu Unrecht so angefeindete Barbara Weigand ins rechte Licht gestellt wurde. Das war ein Akt der Gerechtigkeit. Die Charakteristik (sc. die ich in jener Schrift von der Jungfrau gab) entspricht ganz meiner Überzeugung“. Noch ausführlicher drückt er sein Urteil über die Jungfrau in einem Briefe vom 4. Mai 1943 aus, in dem er schreibt: „Ich hatte in Rück Gelegenheit genug sie zu beobachten und kennenzulernen. Ihr Bild hat sich mir deutlich eingeprägt. Sie war damals kein schwächliches Weiblein, sondern von ungewöhnlich starker Körperkonstitution, von ernstem Charakter, klugen Augen; ihre Sprache war ruhig und abgewogen und sie ging still und in sich gekehrt ihre Wege. Niemals hörte ich von ihr ein unrechtes Wort; selbst wenn sie von ihren Feinden und Peinigern in Mainz sprach oder wenn die Rede war von den Gegnern des Kirchenbaues oder von Spöttern über ihre Offenbarungen, war sie ganz sachlich und im Ausdruck vorsichtig und zurückhaltend. Ich kann mich auch nicht erinnern, daß sie jemals in ein unliebsames Gerede verwickelt worden sei, wie es bei der Schwatzhaftigkeit der Frauen oft vorkommt. So weit und so lange ich sie in Rück beobachtete, führte sie ein stilles, zurückgezogenes und frommes Leben.. Das Charakterbild der Barbara Weigand steht in meinem Gedächtnis in durchaus günstigem Lichte.. Ich hatte genug Gelegenheit, diese fromme, in der Öffentlichkeit vielumstrittene Frau genau kennenzulernen, ihr Verhalten zu beobachten und auch in ihr Herz einen Blick zu tun.. So oft ich mit der Barbara Weigand zusammentraf, gewann ich den Eindruck, daß ich eine tieffromme, reine, demütige, edeldenkende Frauengestalt vor mir hatte, die ich für besonders von Gott begnadet hielt und zu der ich mit Achtung und Ehrfurcht aufblickte.. Ich zweifle nicht daran, daß wir in der Barbara Weigand eine auserwählte, von Gott hochbegnadete Seele einer Heiligen erkennen.“ So der Seelsorger von Schippach.
Denselben Eindruck von der Jungfrau gewann auch der Nachfolger Riedmanns, Lokalkaplan und spätere Pfarrer und Geistliche Rat Martin, wie aus seinem Briefe vom 15. Mai 1913 an den Bürgermeister von Schippach ersichtlich wird, wo Martin schreibt: „Ich bin fest überzeugt, daß die Babett eine fromme, heiligmäßige Person ist.“ In dieser Überzeugung konnten ihn ebenso wenig wie seine Vorgänger oder den Schreiber dieses Buches die späteren Angriffe der Presse oder selbst kirchlicher Behörden gegen die Jungfrau irremachen, da er die Beweggründe und das schwache Fundament dieser Angriffe nur zu gut durchschaute. Hören wir beispielsweise, was dieser ehemalige Schippacher Seelsorger am 13. Dezember 1943 an die Nichte Maria Weigand schreibt: „Ich werde mir Mühe geben, die Gebetsandenken an die richtige Stelle zu bringen, damit die Menschen anfangen, Ihrer seligen Tante Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Alle, die Ihre Tante persönlich gekannt haben, die das Glück hatten, ihren tiefen Glauben kennenzulernen und ihre feurige Liebe zum Heiland im allerheiligsten Sakrament, die urteilen ganz anders über die Verstorbene als jene, die ihre dürftigen Schriften verdreht haben. Ihr Werk ist bestimmt Gottes Werk.. Nach und nach dringt die Wahrheit siegreich durch.“ „Es treibt mich.. einzig das Bestreben, die gottselige Tante besser kennenzulernen und sie und ihr Werk noch lauter zu verteidigen.“
So auch Geistlicher Rat Dekan Martin, der von 1907 bis 1912 Seelsorger in Rück-Schippach war. Auch die offiziellen Kreise an der Bischöflichen Behörde in Würzburg hatten vor dem Ausbruch der Zeitungshetze von Barbara Weigand nur die allerbeste Meinung. So rühmte der bischöfliche Visitationskommissär Domvikar Stahl im Mai 1913 Barbaras Unterwürfigkeit unter den Bischof. Das Bischöfliche Ordinariat Würzburg hielt noch im Oktober 1914 seine Hand schützend über die Jungfrau und sprach von ihr im amtlichen Publikationsorgan als „einer im Rufe der Frömmigkeit stehenden Person“. Domkapitular Stahler musste noch am 1. März 1916 im Kultusministerium zu München den lauteren Charakter der Jungfrau bestätigen. Die Reihe der günstigen Urteile über die Jungfrau ließe sich leicht vermehren, aber nur einige können hier noch Erwähnung finden.
Geheimrat Professor Dr. Ludwig in Freising, im Jahre 1916 ein Gegner Schippachs, meinte aber in einem Briefe vom Juli 1941: „Im Gegensatz zu N. hielt ich stets Barbara für eine sehr fromme, brave Person. Der verstorbene Kardinal Bettinger stimmte mir zu.“ P. Joseph Bergmiller S.D.S., ein ausgezeichneter Kenner der Schippacher Bewegung, schrieb dem Verfasser wenige Wochen vor seinem Tode (26. September 1942): „Ich Unterzeichneter erklärte vor Gott und meinem Gewissen und im Angesichte des Todes, den ich in kurzer Zeit erwarte, daß ich in den ca. 30 Jahren seit 1913, in denen ich mit Barbara Weigand von Schippach bekannt bin, dieselbe immer sowohl im Umgang wie im schriftlichen Verkehr als höchst ehrenwerte, fromme, wahrheitsliebende und in jeder Hinsicht tugendhafte Jungfrau kennen gelernt habe. Nie, auch nicht in den Jahren ihrer schwersten Verfolgungen und öffentlichen Verleumdungen, in denen ihre Gegner kaum weiter mehr hätten gehen können, bin ich an der Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeit ihrer Person irre geworden. Oft äußerte ich in jenen traurigen Jahren den Zweiflern gegenüber, daß ich für die Wahrheitsliebe der Barbara Weigand die Hand in das Feuer legen würde.“
Ähnlich äußerten sich ihre langjährigen Seelenführer P. Ludwig O. Cap. und P. Felix O.F.M., die seit dem Jahre 1900 lange Schreiben voll des Lobes an die bischöflichen Behörden von Mainz und Köln richteten. Hören wir beispielsweise was P. Felix am 19. März 1911 an seinen Ordensdefinitor berichtet: „Als Seelenführer konnte ich nur konstatieren, wie demütig und gehorsam sie sich all meinen Anordnungen und denen ihrer Beichtväter unterwarf und wie sie dabei die geradezu heroischen Tugenden übte, so daß sie mir persönlich - salvo meliori judicio Ecclesiae - als eine „Dienerin Gottes“ vorkommen mußte und ich sie auch mit innerster Überzeugung als solche betrachte.“
Dekan Roth, der Barbara seit vielen Jahren persönlich kannte und nach seiner Emeritierung in Schippach Wohnung nahm, fällte in einem Briefe vom 14. Mai 1943 das folgende ehrende Urteil über die Gottesfreundin von Schippach: „Sieben Jahre war ich hier in Schippach mit Barbara Weigand zusammen. Ich habe genau zugesehen und von ihr den allergünstigsten Eindruck gewonnen. Ganz besonders freue ich mich darüber, daß ich ihr so oft die heilige Kommunion reichen und weiterhin so oft im Krankenzimmer (sc. in den letzten Lebensjahren) den heiligen Leib ihres geliebten Meisters spenden durfte. Immer sah ich bei ihr denselben freudigen, felsenfesten Glauben an die Gegenwart Christi im allerheiligsten Altarssakramente und immer erklang aus ihren Gebeten, wenn sie oft laut betete, dieselbe innige Liebe zu ihrem göttlichen Meister heraus - ohne jegliche Frömmelei, eine kerngesunde Frömmigkeit und Christusliebe, wie sie nur glüht in den Herzen treuer Gotteskinder. Oft blieb ich eigens etwas zurück, um Zeuge dieses einfachen, kindlichen, aber innigen Gebetes zu sein, und war oft davon bis tief in die Seele hinein ergriffen.“ Pfarrer Weihmann von Schifferstadt (Diöz. Speyer), dessen eucharistische Seelsorgetätigkeit weit über die Grenzen seiner Diözese hinaus bekannt geworden ist, leitet den Segen Gottes für seine außergewöhnlichen Erfolge vom Gebete Barbaras her und scheut sich nicht, in seinem Bittgesuch vom 1. Mai 1943 an den Heiligen Vater seine Eindrücke über die Jungfrau anschaulich wiederzugeben: „Ich konnte Barbara Weigand öfters besuchen und tiefen Einblick in den Beginn ihrer Begnadigung und in ihr reiches Innenleben gewinnen, das noch in den neunziger Jahren von Liebe zum eucharistischen und leidenden Heiland glühte. Bei einem Kreuzweg, den sie laut und frei aus dem Herzen vorbetete, war ich von ihrer zarten Christusmystik ganz ergriffen. Ich beobachtete, wie Leute vom Dorf zu ihr kamen und sie in dringenden Anliegen um ihr Gebet baten.“ Wie ihr Diözesanbischof, Seine Bischöflichen Gnaden Ferdinand von Schlör, seit seinem Bekanntwerden mit Barbara im Jahre 1907 der Frömmigkeit, Uneigennützigkeit und den edlen Bestrebungen der Jungfrau seine uneingeschränkte, mitunter in augenfälligen Kundgebungen sich offenbarende Liebe zuwandte, so zeichnete sie Bischof Ludwig Maria Hugo von Mainz mit eigenhändig geschriebenen Briefen aus und ließ sich durch die Akten und Aktionen seines Ordinariates nicht beirren, seine Verehrung für die demütige Opferseele freimütig zum Ausdruck zu bringen und „mit größter Hochachtung von Barbara Weigand als einer zwar derben, aber durchaus ehrlichen, frommen, opferstarken, ja heiligmäßigen Person“ zu sprechen. Als der Heilige Vater Papst Pius XII., der als Nuntius in München in viele Aktenstücke über Barbara Weigand hatte Einblick nehmen können, am 6. September 1941 um Seinen hohepriesterlichen Segen für die hochbetagte Gottesfreundin gebeten wurden, zögerten Seine Heiligkeit keinen Augenblick, der greisen Opferseele von Schippach diesen Erweis Seiner Huld und Liebe zu schenken.
Ihr letzter geistlicher Vorgesetzter, Pfarrer Joseph von Traitteur in Rück, widmete der edlen Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf am Grabe, in dem er die edle Gesinnung, die Opferbereitschaft, die Uneigennützigkeit, die Demut und den Gebetseifer der Verstorbenen laut und feierlich rühmte und die Zuversicht aussprach, daß ihr Gott wohl ohne Fegfeuer die Aufnahme in den Himmel gewährt habe: „Am Vorabend des zweiten Fastensonntags ist sie in die Ewigkeit eingegangen, jenes Sonntags, dessen Evangelium uns von der Verklärung Jesu auf dem Berge Tabor berichtet. Es mag sein, daß während wir dieses Evangelium hörten, ihre reine Seele schon in die Herrlichkeit des Himmels eingegangen war und sie den Heiland in seiner Verklärung schauen durfte“.
Am 25. März 1918 schrieb der Seminar-Bibliothekar Dr. theol. Franz Baeumker auf dem Hintergrund der öffentlichen Hetze und Verleumdungen gegen Barbara Weigand den folgenden Brief an den Bischof von Mainz, Dr. Georg Heinrich Kirstein: Eure Bischöflichen Gnaden! Hochwürdigster Herr Bischof! Durch die wiederholten Veröffentlichungen in unserem Kirchlichen Anzeiger und die Brander‘sche Artikelserie in der Passauer Monatsschrift 1916/7 ward ich auf den Fall Barbara Weigand aufmerksam. Sie wird hauptsächlich eucharistischer Irrtümer bezichtigt, und dies zum Stützpunkt für die Ablehnung zweier kirchlich bereits bestätigter Werke gemacht, des Eucharistischen Liebesbundes, und der auch staatlicherseits genehmigten, bereits im Bau befindlichen Sakramentskirche von Schippach. Wegen meines besonderen Interesses für Dogmatik und deren Fülle, die christliche Mystik, prüfte ich die Anklagepunkte und Entgegnungen wissenschaftlich nach, erhielt auch und benutzte eine weitere Drucksache und eine Reihe hektographischer Vervielfältigungen der angeblichen Offenbarungen. Mein Ergebnis war, daß für mein wissenschaftliches Erkennen Brander in allen Punkten die Weigand zu Unrecht anklagt. Ich stelle hier nur kurz vier Punkte zusammen mit kurzer Erläuterung:
1. Die Lehre vom eucharistischen Leiden Christi und der Christen, speziell der Barbara: Christus leidet der W. gemäß nicht mehr - Kirchenlehre - und leidet doch noch - trifft zu, da seit uralten Zeiten die Lehre von der mystischen Schlachtung in der Eucharistie gang und gäbig ist. Daß aber die Christen an ihrem Leibe ergänzen müssen, was dem Leiden Christi noch mangelt, lehrt der heilige Paulus. Dieses Mitleiden speziell in Vereinigung mit dem im Sakrament gelästerten Heiland, der durch die Sünden besonders dort „noch einmal gekreuzigt wird“, wird zutreffend und schlagend als „eucharistisches Leiden“ auch bei den also mitleidigen Christen bezeichnet. Indem Barbara dieser zusammenfassenden Auffassung huldigt, ist sie mithin vollkommen im Recht. Wenn aber Herrn Brander das Verständnis für das so ganz recht verstandene Leiden des Heilandes so wenig übrig hat, daß er sogar da, wo man noch christliches Mitleiden fühlt, die Anklage vor aller Welt auf Häresie erhebt und die solide Frömmigkeit im allgemeinen und die im besonderen einer braven Frau lächerlich macht, so verdient er die schärfte Zurückweisung, natürlich nicht in der Form, aber in der Sache.
2. Es soll das Priestertum geleugnet sein. Barbara sagt nur, daß das Opfer der Priester allein wenig nütze, aber wenn viele Gläubige mitopferten, dann dringe die Gnade in das Dorf. Das ist dogmatisch ganz korrekt, denn wenn auch der Priester allein das Opfer in der Doppelwandlung vollzieht, so bringt es seine vollen Früchte nur durch Anteilnahme der Gläubigen. Die Aussage ist aber auch für die zeitigen Verhältnisse vielerorts zutreffend, weil der Besuch der heiligen Altarsgeheimnisse, nicht erst von heute, stark nachgelassen hat. Der Donnerruf von Pius: Zurück zur Eucharistie! hat die vor allem mit Luthers Kampf gegen die Einheit der Welt in der Eucharistie einsetzende Auseinanderreissung bis zum Greuel bei Priestern, dem Modernismus, und den jetzt auf der Höhe tobenden Donnern des Weltkrieges nicht mehr vollkommen verhindern können. Lange vor Pius warb Barbara m. W. im Sinne des Papstes für die häufigere, heilige Kommunion, will nun, gewiss nicht aus teuflischer Eingebung, das Priestertum durch einen eucharistischen Bund und eine die Kommuniondekrete feiernde Sakramentskirche stützen helfen, und erfährt, aber nicht von allen Priestern, die Anklage des Kampfes gegen das Priestertum. Auch Pius hat gegen das Priestertum gekämpft, alle Priester den Modernisteneid schwören lassen; aber doch nicht gegen jedes Priestertum, sondern gegen das gottesverräterische im innersten Heiligtum. Hat nicht der hochwürdigste Herr Bischof Haffner, einer der Vorgänger von Hochderselben auf dem Stuhle des heiligen Bonifatius, vom Würzburger Professor Schell einmal gesagt: „Ich stelle Schell auf dieselbe Stufe wie Hoensbrech; sie sind beide Verräter an der Kirche“. Ist die Kunde von Schell nicht auch ins Volk, wohl auch zu der Weigand, gedrungen? Hätte sie da nicht recht gehabt, nicht bloß von einer gewissen Verweltlichung, sondern noch Schlimmeren beim Klerus, aber gewiss nicht beim ganzen, zu reden?
3. Die Verdienste Christi sind nach der Barbara in erster Linie die Seinen, müssen aber durch Aufnahme ins Eigentum der Gläubigen übergehen; die einzig richtige Lehre, die Christus sowohl wie der Mitwirkung der Gläubigen gerecht wird. Wenn die W. wünscht, daß die Gläubigen fleißiger davon Gebrauch machen möchten, so kann man damit, zumal jetzt im Krieg, nur einverstanden sind.
4. Wenn die Kommunion Speise ist, so ist das kein Hindernis, daß sie selber wieder den Gnadenverkehr Christi mit der Seele fördern soll, durch eben ihre Speisung und daher Kräftigung. Christus sagte bei Einsetzung der heiligen Kommunion: „Wir werden zu Ihm kommen, und Wohnung bei Ihm nehmen“. Wer wenig da von Christus hört, der liebt auch weniger. Freilich gehört das Maß der gnadenvollen Ansprache Jesu dort zu Seiner freien Gnadenwahl, der sich nicht bloß der Wissenschaft, aber allzeit mit besonderer Vorliebe den Einfältigen verpflichtet hat. Ausführlicher fasste ich dies mit anderem am 24. Januar, 2. und 16. Februar d. J. in drei Schriften an den hochwürdigsten Bischof v. Schlör in Würzburg zusammen, der auch noch Schell zur Behandlung hatte, ohne daß bis jetzt ein Entscheid eingelaufen ist. Da die Barbara häufig in Mainz Aufenthalt nimmt, auch hochderselben Ordinariat bereits mehrfach beschäftigt hat, trage ich die Sache dieser wahrhaft armen Person, persona misera, auch vor hochderselben Richterstuhl, mit der Bitte, ohne Furcht vor dem Lächeln der Protestanten und dem Widerstand von Priestern, aber in der Kraft des heiligsten Amtes für „Wahrheit, Milde und Gerechtigkeit“ auszuziehen und zu zeigen, daß „gegen die Wahrheit nichts aufzukommen vermag“ (vergl. Weish. 7,30).
Einer der engagiertesten Befürworter der Veröffentlichung der Schippacher Schriften ist auch Altabt Dr. Thomas Niggl OSB, Ettal. In einem bisher noch nicht veröffentlichten Beitrag, der als Vorwort zu den Büchern gedacht war, bekennt Altabt Dr. Niggl sich zu Barbara Weigand wie folgt: Der damalige Bischof von Mainz, der Hochwürdigste Herr Bischof Paul Leopold Haffner, ein tapferer Verteidiger der Kirche in der Kulturkampfzeit, hat am 28. Juni 1896 ein schriftliches Urteil über die Schriften von Barbara Weigand abgegeben; es lautet: „Gegen den Glauben verstoßen die frommen Ermahnungen, Betrachtungen und Ergießungen nicht; sie übersteigen aber nicht die Linie der gewöhnlichen frommen Anschauungen, welche in Gebetbüchern, Predigten und Betrachtungen sich finden, und können darum wohl natürlich erklärt werden.“ Kein geringerer als P. Peter Lippert SJ spricht bei der Erwähnung von Barbara Weigand von “einer ganz dem Übernatürlichen zugewandten, tief gläubigen und mit großer Liebe der Kirche anhangenden Seele“. Es gab auch Theologen, die an ihrer an die Mystik heranreichenden Gedanken Anstoß nahmen, wenn sie zum Beispiel von einem bräutlichen Verhältnis der Seele zu Jesus Christus sprach. Darauf gab P. Lippert eine Antwort, die genau auf unsere Zeit paßt: „Ist das katholische Denken und Beten von heute bereits derart herabgestimmt, daß man schon an solchen traditionellen, warmkatholischen Ausdrücken Anstoß nimmt? Dann möge man zusehen und bei Zeiten dazutun, daß dieser Zeitgeist und diese Scheu von Schippach nicht noch manch anderes Stück echt katholischen Denkens und Fühlens hinwegreißt!“
Diese Urteile über Barbara Weigand und der tiefe Eindruck, den die Schriften auf mich machen, haben mich bewogen, mitzuhelfen, daß diese wertvollen, tiefgläubigen Gedanken, ein wahres Gegengift gegen unseren rationalistischen, lieberalisierenden und modernistischen Zeitgeist, allen Mitgliedern des Eucharistischen Liebesbundes verfügbar gemacht werden, damit sie mit umso größerem Eifer und umso ehrfürchtiger die heilige Eucharistie empfangen, verehren und anbeten. Nicht zu übersehen ist auch der prophetische Charakter dieser Aussagen, welche die Übel und Mißstände, auch in der Kirche, anprangern und beim Namen nennen. Vielleicht darf ich dazu auf einen Vortrag von Bischof Michael von Faulhaber, dem späteren Kardinal, erinnern, den er vor jungen Priestern in Würzburg im Jahr 1914 gehalten hat, wie Barbara Weigand in einem Brief berichtet: „Wir Priester sind eigentlich die unglücklichsten Menschen auf der Welt, weil niemand sich getraut, uns die Wahrheit zu sagen, wenn wir etwas Unrechtes gemacht haben. Die Un- und Irrgläubigen lachen und spotten darüber, aber hinter unserem Rücken, Die Gläubigen betrüben sich, trauen sich aber nicht, uns die Wahrheit zu sagen.“
Ein Berliner Sonntagsblatt schrieb über Schippach: „Die Ruine des Kirchenbaues von Schippach müsse bis zum Ende der Welt zur Schmach für die Barbara Weigand und dem ganzen katholischen Volk zur Warnung stehen für seine Leichtgläubigkeit.“ Daraufhin ließ der Herr sich herab, ihr zu antworten: „Beruhige dich, Meine Tochter! Die Ruine steht da, nicht zur Schmach für dich, sondern als Mahnung für Meine Diener. An diesem Werk in Schippach will Ich den Glauben und die Demut meiner Priester prüfen. Hier scheiden sich die Geister. Die Kirche wird gebaut. Und weil man nicht annehmen will, was Ich dir versprochen habe, werde Ich auch noch meine Tenne säubern müssen. Das große Blutbad, das Ich über die Menschheit verhängte, kann wenig nützen, wenn die Menschen nicht zu ihrem Gott zurückkehren. Das muß ich anfangen in Meiner Kirche. Anstatt aber die Worte, die ich jahrzehntelang diesbezüglich mit dir redete, zu befolgen, wird das Innewohnen in der gläubigen Seele zur Ketzerei gestempelt. Darum verlange ich, daß das ganze Priestertum sich selbst mehr verinnerliche und vom Priester aus das innere Gebetsleben auf das Volk übertragen werde. Sage dies deinen geistlichen Vorgesetzten.“
Und in einem anderen Brief vom 3.8.1916: „Solange Meine Diener all das, was ich durch dich gesprochen habe, verdrehen und den Kirchenbau aufhalten, werde ich meine Arme nicht zurückziehen. Im Gegenteil: Ich werde sie, wenn sie den Friedenstempel nicht mit Freude begrüßen und fördern, eine harte Prüfung bestehen lassen.“ Die Größe des Widerstandes wird ersichtlich aus ihrem Brief vom 6.3.1918: „Am 3. März wurde mir wieder vom Ordinariat ein Schreiben zugestellt, wo aufs neue meine Schriften als Ketzerei verworfen, der Liebesbund und der Bau der neuen Kirche verworfen sind. Und ich wurde aufgefordert, zur Unterschrift meines Namens, daß ich alles, was in den Schriften aufgezeichnet ist, als Täuschung verwerfen und widerrufen müsse. Ich kann aber gegen Pflicht und Gewissen nicht handeln und sagen: Was Wahrheit ist, ist Lüge. Darum mußte ich meine Unterschrift verweigern und legte Berufung ein, daß ich mich an den Heiligen Stuhl nach Rom wenden werde.. „Beten Sie aber weiter für mich, daß der in Seiner Todesangst blutschwitzende Erlöser mich in meiner großen Not mich in meiner großen Not weiter stärkt und den Sieg dieses inneren Kampfes mit dem Sieg unseres Herrn gegen die äußeren Feinde bald herbeiführe.“


