Eucharistischer Liebesbund des göttlichen Herzens Jesu
In den Offenbarungen der Barbara Weigand äußerte Jesus immer wieder Sein Verlangen, mit den treuen Kindern der katholischen Kirche einen Bund zu schließen. Es sollte eine Gebetsarmee gebildet und ein Damm gegen die heranstürmenden Fluten des Unglaubens errichtet werden. Dazu verlangte Jesus vor allen Dingen Gebetseifer, Weltentsagung und Leidensmut. Die Mitglieder des Liebesbundes sollten sich auf das Innigste mit Seinem göttlichen Herzen vereinigen und ein Leben ganz in Seinem Geiste, das heißt, in und mit der Kirche führen. Deshalb wurde den Mitgliedern der tägliche Empfang der heiligen Kommunion, die Teilnahme an allen kirchlichen Veranstaltungen (Rosenkranzgebet, Maiandacht, Wallfahrt), die Fernhaltung von den weltlichen Vergnügungen und Lustbarkeiten und die willige Erfüllung der Berufspflichten mit der geduldigen Hinnahme der Mühseligkeiten dieses Lebens empfohlen. Jesus wies eindringlich auf den zunehmenden Unglauben der Zeit hin, der alles zu verschlingen drohe, kündigte schwere Strafgerichte an und forderte zur Sühne und zur Buße auf. Botschaften an Barbara Weigand durch den Herrn dazu:
Am 3. Donnerstag im Januar 1896:
„Ich habe dich gesetzt als ein Zeichen, das Ich den Völkern geben will, wie Ich immer tue zu Zeiten, wo Mein Volk abgewichen ist vom rechten Weg, und wenn Ich im Begriffe stehe, dasselbe strafen zu wollen. Du sollst Meinem Volke ankündigen, daß der Arm Meiner Gerechtigkeit gespannt ist auf die Völker, und daß diesem Arm Einhalt getan werden kann durch die Buße und die Besserung der einzelnen Seelen, und daß dieses erstrebt werden muß und geleistet werden soll von jenen Seelen, die Ich durch Meine Gnade und durch Meine Liebe an Mich gezogen habe. Ich habe nur eine wahre Kirche gestiftet, und dies ist die katholische Kirche. Ich habe ihr Meinen Geist hinterlassen und dieser Geist soll in jedem Meiner Diener sich äußern, er soll Meinen Kindern Meine Geheimnisse erschließen. Tuet Buße, tuet Buße, tuet Buße ihr Völker, denn das Gericht ist nahe! So soll von allen Kanzeln herab und aus allen Beichtstühlen heraus Meinen Kindern entgegengerufen werden; denn Ich bin ein guter Gott.“
Am Herz-Jesu-Fest 1897:
„Seht, einen Liebesbund will Ich errichten und alle, die glauben, daß Ich im Allerheiligsten Sakrament zugegen bin, müssen zu einem Bund zusammentreten, denn Ich wiederhole euch, daß die Zeit gekommen ist, wo Satan mit aller Wucht, mit aller Entschiedenheit, mit aller Energie auftritt in Meiner sichtbaren Schöpfung.. Die Zeit ist nun gekommen, wo Satan schrecklich wütet, wo er alles zu verschlingen droht, und wartet nur noch ein paar Jährlein und ihr sollt sehen, wie Satan sein Reich aufschlägt, welche Triumphe die Hölle feiert. Darum heißt es einstehen mit aller Entschiedenheit, einstehen für Meine Rechte. Du, Meine jungfräuliche Braut (die Kirche), bist tiefbetrübt, du dauerst Mich, weil du so traurig einhergehst. Ich habe Mitleid mit dir, Ich möchte dir helfen. Du bist tiefbetrübt wegen deiner Kinder, die du so sehr beweinst, und die du wiedergewinnen möchtest. Ich möchte sie dir alle wieder zuführen. Aber sieh, Ich brauche Stützen, Ich brauche Helfer und Gehilfinnen, und diese Stützen und Gehilfinnen sind die treuen Kinder der katholischen Kirche.“
Am 3. Freitag im Juli 1897:
„Es wird die Zeit kommen, wo sich einer am anderen ärgern wird, weil die Menschen sich selbst überlassen sind. Und doch soll die Welt gerettet werden und doch ist dies alles nur ein Beweis Meiner göttlichen Liebe. Nicht verderben will Ich den Menschen, sondern nur retten mit der Zuchtrute. Fahret nur so fort wie seither, im stillen zu verbreiten an den Seelen, die euch zugeführt werden und ihr werdet noch Wunder der Freude erleben. Es wird die Zeit kommen, wo ihr gleichgültiger, ja so gleichgültig allem gegenübersteht, daß ihr euch wähnt, im Paradies zu leben inmitten der größten Trübsal. Ja, Ich verspreche euch dieses, und allen denjenigen, die mit euch gleichen Schrittes gehen, die arbeiten an der Verbreitung des Liebesbundes, daß sie mitten in der Trübsal in solchem Trost schwimmen werden, als ob es lauter Liebkosungen und Tröstungen für sie sein sollten.“
Am Feste des heiligen Franziskus am 4. Oktober 1897 sagte dieser:
„Und welches sind denn Seine Befehle? Die Menschheit zurückzuführen zum Tabernakel. Dieses wünscht der Herr. Er wünscht, die Christenheit zurückzu-führen zum ersten Geist des Christentums, die Christen zu scharen um Seinen Altar, die Christen an Seinen Tisch zu führen.“
Am 1. Donnerstag im September 1898 sagte Jesus:
„Jeder kann dieses Leben führen und muß es führen. Und jeder, der sich da anschließen will, muß, weil er da viel Kraft und Gnade braucht, sich oft einfinden am Tische des Herrn¸ denn durch diese Armee, die Ich da bilden werde, soll die Welt gerettet werden, soll Meine Kirche wieder aufblühen und zum Siege gelangen. Darum, wenn auch viele sich noch entgegenstellen, wenn alle eure Vorgesetzten euch mit Verachtung gegenübertreten, wenn niemand glaubt und glauben will, wenn man euch sagt: „Der Herr redet die Wahrheit, da gibt es kein Fehlen, kein Abweichen von der Wahrheit“, dann verhaltet euch ruhig und klammert euch an Mich an. Und doch ist es die ewige Wahrheit, die da zu euch spricht, und wenn manchmal etwas verkannt, wodurch es den Anschein hat, als sei die ewige Wahrheit nicht in euch, dann müßt ihr wissen, daß dieses nur zu eurem Besten geschieht, um euch Leiden zu verursachen; denn ihr seid gar armselige Menschen und müßt immer wieder abgestreift, geläutert und gesiebt werden, und wie kann Ich euch anders läutern und sieben als durch solche Dinge, die euch Verachtung und Spott eintragen.“
Diese fortgesetzten Mahnungen und Bitten des göttlichen Heilandes veranlaßten Barbara Weigand und ihre näheren Freundinnen, in ihrem Bekanntenkreise für die Idee des Liebesbundes zu wirken. Zu diesem Bekanntenkreise zählten auch mehrere Priester, die prüften und billigten, und insbesondere war es der langjährige Seelenführer von Barbara Weigand, der Kapuzinerpater Ludwig in Mainz, der guthieß und aufmunterte. Um nun möglichst viele Personen für den Bund zu gewinnen, stellten Priesterfreunde aus den Offenbarungen ein Statut des Liebesbundes zusammen; daß in diesem Statut die direkte Herkunft nicht genannt wurde, war durchaus korrekt, denn zunächst kam es auf die Sache und nicht auf die Person an. Sodann wäre es durchaus unpassend, ja abgeschmackt gewesen, eine noch lebende Person als eine von Gott besonders Begnadigte auszugeben und redend anzuführen. Welche Folgen hätten sich daraus ergeben müssen?
Schließlich hatte auch die Kirche noch nicht gesprochen, und sie würde auch nicht gesprochen haben, da die Kirche in der Regel nicht nur den guten Samen, sondern vor allen Dingen die guten Früchte sehen will, um danach zu urteilen. Nur Mißgunst und prinzipielle Abneigung oder sachliche Unkenntnis konnte hinter diesem praktisch klugen und korrekten Verfahren eine Täuschung und schlimme Absichten wittern.
Die priesterlichen Freunde sorgten auch dafür, daß das Statut das kirchliche Imprimatur erhielt, um gedruckt werden zu können. Zuerst erteilte Trient und dann München das Imprimatur für die deutsche Ausgabe. Die Druckkosten wurden von den Freunden der Sache durch freiwillige Spenden aufgebracht, denn der Herr hatte ausdrücklich verboten, für das Statut oder den Gebetszettel einen Pfennig zu verlangen; alles sollte freiwillig gestiftet und gegeben werden.
Das Statut des Liebesbundes wurde alsbald in Deutschland in einigen hunderttausend Exemplaren verbreitet. In allen Gegenden Deutschlands, insbesondere im Rheinland und Westfalen, in der Pfalz, in Baden und Württemberg und in dem katholischen Oberschlesien traten viele dem Liebesbund bei.
Eine besondere Verbreiterin des Liebesbundes war die in ganz Württemberg unter dem Namen „das gute Kreszensle“ bekannte, die vor einigen Jahren verstorbene Jungfrau Crescentia Halder in Saulgau. Diese fromme Jungfrau hatte sich dadurch ausgezeichnet, daß sie jahrzehntelang die Kinder von Saulgau liebevoll um sich scharte und täglich mit ihnen den Rosenkranz betete. Ihr Heim und Häuschen, das sie einem Orden vermachte, war überdies das reinste Reliquarium, denn als man überall die Reliquien gering schätzte, da bettelte sie diese zusammen und verwahrte sie sorgfältig und ehrfurchtsvoll. Durch Jahre hindurch versandte Crescentia Halder den Liebesbundzettel durch alle Weltteile und tat dies nur um Gotteslohn. Zum Dank dafür hatte sie die letzten Jahre ihres Lebens, die sie ständig im Bette zubringen mußte, viel Ungemach von Seiten der Pfarrgeistlichkeit zu erdulden, die ihr unter Androhung der Kommunionentziehung die weitere Tätigkeit für den Liebesbund untersagte.
Ein Vierteljahr vor ihrem seligen Tode klagte mir noch diese anima candida ihr Leid, aber sie ertrug es ruhig und gehorchte, wiewohl man von ihr das größte Opfer verlangte. Unterstützt wurde Crescentia Halder in ihrer opferwilligen Tätigkeit für den Liebesbund durch die Austeilung der Monatsschrift „Canisiusstimmen“ des verstorbenen Prälaten Kleiser in der Schweiz. Kleiser war bis zu seinem Tode ein überzeugter und eifriger Freund von Schippach, des eucharistischen Liebesbundes und der Sakramentskirche. Er kannte viele von den Offenbarungen der B.W., und da er diese für echt hielt, so verwendete er viel davon für seine Artikel in den „Canisiusstimmen“. So hat Prälat Kleiser an Hand dieser Offenbarungen, ohne jedoch ihre Herkunft zu nennen, in den Jahren 1913 und 1914 Artikel in den Canisiusstimmen veröffentlicht, die Strafgerichte ankündigten und zur Umkehr aufforderten. Prälat Kleiser empfahl daher auch den Liebesbund in seiner Monatsschrift und ständig war auf der Rückseite des Umschlages der Canisiusstimmen angegeben, daß man die Statuten des Liebesbundes kostenlos von Crescentia Halder in Saulgau beziehen könne.
Da brach im Jahre 1915 durch das Vorgehen von Würzburg der Sturm herein und jede weitere Propaganda für den Liebesbund mußte, in Deutschland wenigstens, aufhören. Inzwischen hatte der Liebesbund seinen Weg auch ins Ausland genommen. Im Mai 1914 erschien eine italienische, polnische und ungarische, im Juni 1915 eine böhmische Ausgabe, jede mit dem kirchlichen Imprimatur der zuständigen Ordinariate versehen. Wer die Drucklegung und die Herausgabe veranlaßte, ist mir nicht bekannt geworden. Dies alles konnte um so leichter geschehen, da der Nachdruck und damit die größte Verbreitung nur erwünscht war. Man machte nie den geringsten Anspruch auf die Urheberschaft in diesem Falle, da alle Beteiligten nicht das Geringste für sich im Auge hatten, sondern nur, daß möglichst viele Seelen sich dem Liebesbund des göttlichen Herzens Jesu anschließen. Diese seltene Selbstlosigkeit spricht gewiß für die Lauterkeit der Gesinnungen der „Urheber“ des Liebesbundes. Wie hoch die Mitgliederzahl heute sein wird, läßt sich schwer sagen. Ich schätze sie auf einige Hunderttausend, wobei ich allerdings darauf hinweisen muß, daß der von kirchlicher Behörde Deutschlands gegen den Liebesbund geführte Kampf viele in Deutschland kopfscheu gemacht hat. Da fast die gesamte katholische Presse Deutschlands auf Grund der Veröffentlichungen Würzburgs die Notiz verbreitete: Rom selbst hat den Liebesbund verworfen; so dürfen viele sich nicht mehr an den Liebesbund halten.
Viele freilich, in deren Herzen der Liebesbund tiefe Wurzeln schlug, halten daran stillschweigend fest, weil ihr katholischer Sinn ihnen sagt, daß tägliche Kommunion, Berufserfüllung, Weltflucht, Opfergeist nicht dem Willen und Geiste der Kirche zuwider sein können. Darum ist es für sie auch ein Rätsel, warum der Liebesbund von der Kirche verboten sein soll und viele, das weiß ich aus meinen Erfahrungen, befanden und befinden sich deshalb in einem Gewissenskonflikt. Zum Glück ist bis jetzt noch den wenigsten bekannt, daß man von einem Verbot des Liebesbundes durch Rom außerhalb der deutschsprachigen Gebiete nichts weiß; wird diese Tatsache einmal bei uns bekannt, so wird das Rätsel noch größer werden. Allerdings ist nach meiner festen Meinung ein solches Verbot des Bischofs von Würzburg über das Imprimatur eines anderen Bischofs, und deren gleich mehrere, kanonisch überhaupt undenkbar und rechtlich unbegründet.
In seinem Erlaß vom 24. Februar 1916 hat das Ordinariat Würzburg den Liebesbund verboten und die Offenbarungen der Barbara Weigand für „hinfällig“ erklärt. Ich habe schon in meiner Broschüre, „Die Sakramentskirche in Schippach“ darauf hingewiesen, daß man damit seine Kompetenzen überschritten hat. In dem betreffenden Erlaß kann das Ordinariat Würzburg nicht umhin zu gestehen: „An und für sich betrachtet, erscheint der Wortlaut der Statuten und Gebete des Liebesbundes einwandfrei und erhielt auch deswegen von mehreren auswärtigen kirchlichen Behörden (das ist eine Unrichtigkeit, denn Würzburg weiß und verschweigt hier, daß auch das Ordinariat München das Imprimatur gegeben hat), offenbar in Unkenntnis der geheimen Herkunft und Ziele dieses Gebetsbundes, die Druckgenehmigung.“
Würzburg übersah hier ein Mehreres: Erstens ist die Druckgenehmigung nicht von der Persönlichkeit des Leiters, sondern von dem sachlichen Inhalt des Druckerzeugnisses abhängig. Zweitens können geheime Ziele nicht zur Diskussion gestellt werden, zumal wenn solche in Wirklichkeit nicht bestehen. Der Beweis für das Gegenteil würde zudem dem zur Last fallen, der das Gegenteil behauptet. Drittens kann ein Imprimatur nie zur Voraussetzung haben, daß auch alle Absichten des Autors angegeben, geprüft und ermittelt werden, denn zu welchen Konsequenzen und Weitläufigkeiten würde das führen. Und schließlich viertens können auch nicht die Voraussetzungen, von denen der Autor ausgegangen ist und die Auffassungen, die er hat, Gegenstand der Prüfung und Approbation durch das Imprimatur sein; auch das wäre ein unmögliches Verlangen. Würzburg macht dann in seinem Erlaß, der hier beiliegt, einige scheinbar sachliche Einwände. Sie sind schwer zu entkräften, weil sie nicht durch die entsprechenden Stellen belegt sind. Ich muß mich daher auf einige allgemeine Bemerkungen beschränken. Die vielen Theologen, welche die Schriften oder Offenbarungen der Barbara Weigand nicht nur gelesen, sondern sogar zum Teil meditiert haben, fanden von all dem nichts, was Würzburg hier behauptet. Gewiß, der Heiland spricht in den Offenbarungen von den Mitgliedern des Liebesbundes als von Seinen liebsten Kindern und macht auch große Verheißungen. Nun lese man aber einmal in den Statuten und in den Offenbarungen, was Jesus von den Mitgliedern des Liebesbundes verlangt. Es ist doch klar: Dieses Verlangen rechtfertigt die Verheißung. Oder sollte es nicht göttlich sein, daß denjenigen, die mehr tun als andere, auch ein größerer Lohn in Aussicht gestellt wird? Sollten diejenigen nicht der besonderen Liebe Gottes versichert werden dürfen, die Ihm voll und ganz anhangen und aus Liebe zu Ihm auf alles Irdische verzichten?
Wer auch kann von vornherein von „übertriebenen Verheißungen“ reden wollen und damit der unendlichen Güte Gottes gleichsam Schranken setzen? Das Ordinariat Würzburg dürfte sich hier die Argumentation von Dr. Brander zu Eigen gemacht haben; diese Argumentation ist aber nicht einmal logisch, geschweige denn theologisch. Die Sache erklärt sich übrigens sehr einfach: Durch die anonymen Presseartikel, deren Herkunft und Ziele zwar ebenfalls geheim, aber gleichwohl bekannt waren, hatte sich Würzburg in eine Stellung gegen Schippach drängen lassen, die schließlich zu völliger Verwerfung von allem und jedem führen mußte. Was durch den ersten verfehlten Schritt schon eine ausgemachte Sache war, wollte man nicht rechtzeitig umkehren, das erforderte später, als das Fazit bereits gezogen werden mußte, eine Begründung nach außen. War aber die Maßnahme eine verfehlte, so mußte die Begründung das Schicksal mit ihr teilen und ebenfalls eine verfehlte werden. Die vielen früheren und späteren Irrungen, in welche Würzburg bei der Behandlung der Schippacher Angelegenheit fortgesetzt hineingeraten ist, und die heillosen Verwirrungen, die es dadurch anrichtete, bieten Anhaltspunkte genug dafür, um seinen Behauptungen bezüglich des Liebesbundes sehr skeptisch gegenüberzustehen. Darüber aber sehr ausführlich an anderer Stelle selbst.
Der Liebesbund ist eine Vereinigung jener Gläubigen, welche einen lebendigen Glauben an die wirkliche und wesenhafte Gegenwart des hochgebenedeiten Gottessohnes Jesus Christus im Allerheiligsten Sakramente des Altares pflegen wollen. Um diesen Glauben zu erhalten und zu stärken, hat unser hl. Vater Papst Pius X. die öftere hl. Kommunion eingeführt. Durch den lebendigen Glauben nämlich an Jesus, den Erlöser der Menschen, welcher mitten unter seinem auserwählten Volke (in der hl. kath. Kirche) im Allerheiligsten Sakramente lebt, soll die Welt zu Gott wieder zurückgeführt werden, von dem sie durch den Unglauben, die größte und gefährlichste Verirrung der Jetztzeit, abgefallen ist. Die öftere hl. Kommunion ist das große Rettungsmittel unserer Zeit. Durch die hl. Kommunion will der liebe Heiland die Herzen der Menschen mit seinem göttlichen Herzen, aber auch die Christenherzen durch dasselbe Band göttlicher Liebe untereinander zu einem großen und heiligen Liebesbund vereinen. Jesus in der hl. Hostie ist der Mittelpunkt des katholischen Lebens; das Band ist sein hl. Herz; die Quelle der Gnaden ist der Tabernakel. Aus ihm sollen sich ergießen die Ströme der Gnaden über die ganze Welt. Glückselig diejenigen, die seine Worte hören und glauben; sie sollen hier auf Erden schon kosten, wie süß der Herr ist. Friede und hl. Freude sollen alle genießen, die sich beteiligen an dem Liebesbund. Der Empfang des Leibes und Blutes Jesu Christi wird Herz und Gemüt mit besonderem Segen erfüllen. Den Familienvätern und Müttern will der Herr Jesus besondere Gnaden geben für die Erziehung ihrer Kinder; sie sollen in ihren Familien Freude an den Kindern erleben und ein besonderer Trost soll sie begleiten, wenn sie eingehen in die ewige Ruhe.
„Empfange mich“, so spricht Jesus zu einer jeden Seele, „in der hl. Kommunion und ich will dich in meine Arme schließen und du sollst wissen, daß du an deinem Freundesherzen ruhest; empfiehl mir alles, was dich drückt; sage mir, daß du mich liebst und das genügt mir, und ich verspreche dir, dein Kreuz soll dich nicht mehr so schwer drücken, wie bisher. Sag´ an, ist es nicht viel härter zu leiden und alles Trostes beraubt zu sein, als zu lieben und getröstet zu sein? Du sollst alle Leiden in Vereinigung mit mir für gering achten, weil die Liebe meines Herzens es dir tausendfach zu vergüten versteht. Die Leiden, die ich dir schicke, sind nur Beweise meiner Liebe.. Siehe! 33 Jahre habe ich den letzten Platz eingenommen, den wohl kein Mensch eingenommen, den keiner einnehmen wird von Adam bis zum Weltende, um dir zu zeigen, wie ich dich liebe. Oh ihr Menschen! Ihr wißt und kennt nicht die Sehnsucht eines Gottes. Ihr fürchtet den Vater als einen strengen und gerechten Mann. Ja, er ist´s der Vater; aber vergeßt nicht, daß er auch die Liebe selbst ist. Was fürchtet ihr den Vater; er ist doch mein Vater und ich bin doch der Bräutigam einer jeden Seele, die ich mit meinem Blute erkauft habe. Denket doch an jenes Herz, das 33 Jahre für euch schlug, das Tag und Nacht jedes Christenherz in seine Liebe einschließt.“
Welch ein Trost und eine Kraft liegt in der Wahrheit: Jesus denkt an mich. Jesus, der starke Gott kämpft mit mir, und wenn ich mich nicht schäme, unter seiner Fahne zu stehen und ihn vor meinen Mitmenschen zu bekennen, dann gehöre ich zu den liebsten Kindern seines Herzens und ich werde mir einst eine herrliche Krone erwerben, die mich vor den Himmelsbürgern die ganze Ewigkeit hindurch auszeichnen wird.
Der Liebesbund hat zum Zweck, einerseits den Triumph der hl. Kirche über ihre Feinde herbeizuführen durch Zusammenschluß aller guten und getreuen Kinder der hl. kath. Kirche aus jedwedem Stande (Priester-Laien- und Ordensstand, besonders aber auch aus dem jungfräulichen Stand in der Welt) zu einer kräftigen Betätigung des kath. Glaubens durch Ausübung guter Werke jeder Art, besonders des häufigen und täglichen Empfangs der hl. Kommunion nach dem Beispiel der ersten Christen, um so einen Damm zu bilden gegen den herrschenden Zeitgeist der Glaubens- und Sittenlosigkeit, sowie der religiösen Gleichgültigkeit. Andererseits will dieser Bund, welcher auch ein Gebetsbund sein soll, den Priestern helfen, in Vereinigung mit Maria, alle unsterblichen Seelen zu retten, die sich noch retten lassen wollen, durch fortwährendes Beten, Sühnen und Leiden, um auf diese Weise die wahre Nächstenliebe zu betätigen und dazu beizutragen, daß das Reich des göttlichen Herzens Jesu über die Herzen aller Menschen verbreitet werde.
Die Mitglieder des Liebesbundes versprechen:
Daß sie mutig und standhaft, offen und frei den kath. Glauben überall bekennen wollen durch treue Beobachtung der Gebote Gottes und der Kirche, sowie durch standhafte Verteidigung der Rechte derselben, insoweit sie dazu berufen sind.
Daß sie den öfteren, ja täglichen Empfang der hl. Kommunion nach dem Wunsch des hl. Vaters und dem Rate des Beichtvaters fleißig üben und das hl. Sakrament der hl. Eucharistie mit aller nur möglichen Verehrung und Liebe umgeben wollen.
Daß sie, sofern es ihnen die Lage gestattet, an allen öffentlichen Kundgebungen des kath. Glaubens (Wallfahrten, Prozessionen, Rosenkranz- und Maiandachten) eifrig teilnehmen, um so ihren Glauben vor aller Welt zu betätigen.
Daß sie im übrigen ein stilles, zurückgezogenes Leben führen und dem heutigen Zeitgeist, besonders dem Geist der Vergnügungssucht, vollständig entsagen wollen.
Daß sie endlich ein Opferleben führen wollen durch Beten, Sühnen und Leiden in der treuen Erfüllung ihrer Standespflichten, in Ertragung des täglichen Kreuzes und in der geduldigen Hinnahme von Schmach und Verachtung.
Die Mitglieder beten täglich die Vereinsgebete (Aufopferung am Morgen und am Abend) und suchen sich von dem Geiste derselben tagsüber zu durchdringen, indem sie sich selbst vergessen, ihre Fehler zu bessern und abzulegen suchen und sich einsetzen für das Wohl der Kirche und für die sündige Menschheit, auf daß bald werde eine Herde und ein Hirt und die hl. Kirche Gottes auf den hl. Berg gestellt werde, von wo aus sie überallhin leuchten soll.
Wer das Aufopferungsgebet am Morgen nicht verrichten kann, der spreche anstatt dessen: „Ich vereinige mich mit der leidenden, streitenden und triumphierenden Kirche und dem ganzen Liebesbund.“
Wer in den Liebesbund aufgenommen werden will, der richte die einmalige und innige Bitte nach der hl. Kommunion an Jesus, er möge sich würdigen, ihn aufzunehmen in den Bund der Liebe, den er mit der Menschheit geschlossen hat. Man kann sich dabei folgenden Gebetes bedienen: „Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, den ich im Allerheiligsten Sakramente wahrhaft gegenwärtig glaube und bekenne, ich bitte dich mit der ganzen Inbrunst meines dich aufrichtig liebenden Herzens, würdige dich, mich in die Zahl jener bevorzugten Kinder deiner hl. Kirche aufzunehmen, mit denen du den Bund der Liebe geschlossen hast. Ich verspreche dir von ganzem Herzen, mit deiner allmächtigen Gnade alle Obliegenheiten des Liebesbundes getreu und gewissenhaft zu erfüllen. Heilige Maria, du meine Mutter und mächtige Fürsprecherin am Throne meines Erlösers, hl. Erzengel Michael, hl. Josef, alle lieben Engel und Heiligen Gottes, bittet für mich!
Nihil Obstat. Tridentini die 6. Aprilis 1914
Stempel: Curia Episcopalis
Tridentina
Jos. Hutter, Censor eccl.
No. 728 Eccl.
Imprimatur.
Sig. Tridenti die 6. Aprilis 1914
Eug. Mattevi, Vic., glis.


