Jesus.Jesus.Jesus

- Barbara Weigand

- Steinfragmente

- Msgr. DDr. W. Büttner

- Barbara mit Kaplan Nöth
Einen Damm bilden gegen den Unglauben
Der Ortsbischof von Würzburg sollte über die Offenbarungen von Barbara Weigand (1845 bis 1943) neu entscheiden
In einem neuesten amtlichen Schreiben hat der Apostolische Nuntius in Deutschland, S. Exz. Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, in der Angelegenheit Barbara Weigand an den Vorsitzenden der Barbara-Weigand-Gesellschaft e.V., H. H. Pfarrer i. R. Alfred Stürmer, ausdrücklich bestätigt:
1. Die Glaubenskongregation (in jener Zeit das „Heilige Officium“) hat sich in den Jahren 1916-1920 mit den Schriften von Barbara Weigand beschäftigt.
2. Das Ergebnis war, dass nach dem Dekret vom 13. Juni 1917 und dessen Bestätigung nach einem Rekurs gegen die erste Entscheidung der Ortsbischof (Würzburg) eine Entscheidung über die Schriften treffen soll.
3. Deshalb hat die Glaubenskongregation bis jetzt keine weitere Untersuchung vorgenommen und
kein Urteil gefällt.“
Das ist eine höchst erfreuliche Bestätigung unserer Auffassung, auf die wir in all den Zeiten, in denen wir unsere Mitarbeit bei der Aufarbeitung der Schippacher Angelegenheit gestützt und darauf auch aufgebaut haben. Auf diesem Hintergrund sind die Schippacher Schriften entstanden, wurden sie verbreitet und darüber in unzähligen Beiträgen berichtet. Wir haben stets auch darüber berichten dürfen, wie sehr alle getreuen Priester, Ordensleute und engagierte Laien, ihren kindlichen Glauben und ihr sehnsüchtiges Hoffen auf eine alsbaldige Entscheidung über diese Offenbarungen an Barbara Weigand gestützt haben, deren Herzstück aber die Bildung eines Dammes gegen den Unglauben bildet, den wir im Eucharistischen Liebesbund Seines göttlichen Herzens erkennen dürfen.
Schon am Freitag vor der Karwoche 1899 läßt der Herr Barbara Weigand wissen: „Ich will ein Band schlingen um alle guten treuen Kinder, weil Ich will, daß der Liebesbund, den Ich geschlossen habe mit euch, errichtet werde vom Papst bis zum letzten Knecht im Schloß des Fürsten.. Ein Damm soll errichtet werden dem moralischen Unglauben der Zeit gegenüber, wo die Eheleute sich so gut beteiligen sollen wie die Klosterleute und die jungfräulichen Seelen in der Welt. Der Damm muß groß sein, weil die Verderbnisse der Zeitperiode groß sind und alles mit fortreißen.. An diesem Bunde sollen sich alle Guten beteiligen, wo sie nur stehen. Die Mitglieder haben weiter nichts zu tun, als den Geist, den Ich niedergelegt in den Schriften, in sich aufzunehmen, die Gebote Gottes und der Kirche zu halten und ihr Kreuz willig zu tragen. Ich will, daß es Meinem Statthalter in Rom berichtet werde und daß es die Bischöfe beglaubigen."
Und am dritten Freitag im April 1899: „Die Mitglieder dieses Bundes haben weiter nichts zu tun, als oft hinzutreten zu Meinem heiligen Tisch und ihr Kreuz geduldig zu tragen.“
„Für Gott und Sein Reich“
Das war der Schlachtruf der frommen Bauersmagd Barbara Weigand von Schippach. Man würde das Wesen des Eucharistischen Liebesbundes nicht recht verstehen, wollte man ihn von den übrigen Offenbarungen des Heilandes an Barbara Weigand trennen. Er ist für sich wohl eine abgeschlossene Sache, die ohne das andere auch bestehen kann. Aber er ist und bleibt dabei doch ein Teil des Ganzen. Nur im Rahmen des Ganzen kann er recht verstanden werden. Nach den Schriften der Barbara Weigand, sowie sonstiger Gesichte und Ansprachen, die sie empfangen hatte, ist der Grundgedanke des Werkes der, daß es unserem Herr und Heiland und der jungfräulichen Gottesmutter Maria, der Mutter des Herrn, offenbar gefiel, durch Barbara Weigand, die einfache Magd und fromme katholische Frau aus dem Spessart, Sich und Sein Heilsangebot an die Menschheit zu offenbaren und Sich ihrer deshalb auch bedienen will. Wir können das ganz gewiß auch so nennen: „Endoffenbarungen des göttlichen Herzens Jesu an die ganze Menschheit.“
Als Barbara Weigand infolge eines Unfalles körperlich schwer leidend darniederlag, erschien ihr die heilige Juliana v. Lüttich (Die heilige Juliana von Lüttich wurde von Priestern und Laien verspottet. Aber Papst Urban IV. dachte anders; er nahm die Anregung der Nonne an und setzte das Fronleichnamsfest ein.), heilte sie plötzlich und sprach zu ihr: Reiche mir die Hand, du bist meine Schwester. Durch mich hat der Herr Seinen Leib durch Einführung des Fronleichnamsfestes verherrlicht. Durch Margareta Maria Alacoque hat Er der Welt die leiblichen Eigenschaften Seines Herzens geoffenbart. Das, was Er durch dich tun will, ist noch größer. Durch dich will Er der Welt die geistigen Schätze Seines Herzens offenbar machen.
Diese geistigen Schätze sind: Die Einführung der öfteren und täglichen heiligen Kommunion, für die Barbara Weigand jahrzehntelang beten, leiden und arbeiten mußte, bis endlich das Dekret von Papst Pius X. erschienen ist. Durch die öftere heilige Kommunion wird ja die Verähnlichung mit Christus gefördert und vollendet, Durch die Mitglieder des Eucharistischen Liebesbundes will der Herr einen Damm bilden gegen den herrschenden Zeitgeist der Glaubens- und Sittenlosigkeit, sowie der religiösen Gleichgültigkeit und Vergnügungssucht. Dieselben sollen nach den Statuten des Eucharistischen Liebesbundes leben und eine Reform einleiten, deren Losungswort ist: „Zurück zu Christus und Seiner Kirche.“ Durch sie will Er nach Seinen eigenen Worten einen Damm bilden gegen den Zeitgeist und Seine Kirche hinüberretten in bessere Zeiten. Die Statuten des Eucharistischen Liebesbundes sind also das Programm für die neue Lebensreform. Die Krone von allem ist gleichsam die Sakraments- und Wallfahrtskirche in Schippach. Sie soll ein Denkmal des Dankes der ganzen Menschheit sein für diese letzten Offenbarungen des heiligsten Herzens Jesu. Sie soll auch ein Leuchtturm sein für alle, weil dort die großen Gnadenwunder der Bekehrungen stattfinden. Und eine Gnadenquelle fließt für die armen Sünder, wie sonst nirgends in der Welt. Also geistige Wunder geschehen dort, wie der Heiland sagt, nicht leibliche wie in Lourdes.
Warum prägte der Heiland das Wort „Eucharistischer Liebesbund“?
Denn von Ihm stammt diese Bezeichnung und gewiß nicht von Barbara Weigand. Er zeigte ihr einmal in einer Vision das Wesen desselben. Sie sah ein himmlisches Gastmahl. An einem Tische saßen die Seligen; an einem anderen die auf Erden Lebenden. Da ging ein Lichtband vom heiligsten Herzen Jesu aus und umschlang die Seligen. Bei jedem einzelnen stand das Wort „Liebe“ darauf. An den noch Lebenden ging es vorbei, doch so, daß jeder, der es ergreifen wollte, ergreifen konnte. Und bei diesen stand das Wort „Leiden“ darauf. Der Heiland erklärte ihr dann den Sinn, daß nämlich der Liebesbund in seinem Wesen seinen Sitz in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit hat; in der ewigen, unendlichen Liebe der Drei Göttlichen Personen zueinander. Die Seligen im Himmel haben vollen Anteil an dieser göttlichen Liebe. Das ist zwar keine erschöpfende Erklärung des „Eucharistischen Liebesbundes“; es soll aber zum besseren Verständnis des Nachfolgenden dienen.
Die Ehre, den Eucharistischen Liebesbund aus den Schriften der Barbara Weigand zusammengestellt zu haben, sowie die Durchführung dessen Approbation, gebührt vor allem dem Salvatorianerpater Angelicus Bugiel. Er starb am 21. Januar 1937 in Temesvar, im heutigen Rumänien, an den Stufen des Altares in der Klosterkirche der „Armen Schulschwestern“. Mitten beim Beichthören überkam ihn eine Gehirnblutung. Man nahm ihn aus dem Beichtstuhl und legte ihn auf die Stufen des Altares, wo dann der Heiland Seinen treuen Diener und großen Sakramentsverehrer zu Sich in die himmlische Heimat nahm. Ehre dem, dem Ehre gebührt. Pater Angelicus wurde durch den verstorbenen Maler Asal mit Barbara Weigand bekannt. Er bekam die Schriften über den Eucharistischen Liebesbund zugeschickt und hat sie eingehend studiert. Pater Angelicus war ein heiligmäßiger Priester und vorbildlicher Ordensmann, der keine Menschenfurcht und Mühe kannte, wenn es sich um die Ehre Gottes handelte.
Die Offenbarungen des Heilandes erfaßten seine ganze Seele bis ins Innerste. Er studierte förmlich den Sinn der Offenbarungen und besonders des Eucharistischen Liebesbundes, und setzte ihn aus den Schriften so zusammen, wie er damals allen Beteiligten vorlag. Als er das Manuskript vollendet hatte, fügte es sich, daß gerade der deutsche Generalvikar, Salvatorianerpater Joseph Bergmiller, von Trient für drei Wochen nach Meran zur Erholung kam. Er war ein geborener Meraner. Pater Angelicus äußerte nun dem Salvatorianerpater gegenüber, der mit den Prälaten Hutter gut bekannt war, den Wunsch, zum Generalvikar zu gehen und ihm das Manuskript zur Approbation vorzulegen. Pater Bergmiller machte diese Begegnung möglich, hatte aber wenig Hoffnung auf Erfolg, da sie schon wußten, daß der Eucharistische Liebesbund von einigen deutschen Ordinariaten, darunter auch Mainz und Würzburg, wegen seines Zusammenhanges mit Schippach abgelehnt wurde.
Pater Angelicus erzählte auch dem Generalvikar Prälat Hutter von der zu bauenden Sakramentskirche in Schippach und den Offenbarungen der Barbara Weigand, in denen der Eucharistische Liebesbund seinen Ursprung habe. Prälat Hutter war ein großer Sakramentsverehrer und sagte ihm, er solle die Sachen da lassen, damit er sie durchsehen und studieren könne, und soll nach einigen Tagen sich Antwort holen. Prälat Hutter sagte ihm dann, daß die Sache in sich gut sei und approbiert werden könne (ausgenommen die Offenbarungen). Er solle eine Eingabe schreiben und diese dann zu ihm bringen. Er werde dieselbe dann nebst einem Empfehlungsschreiben nach Trient senden, und dann werde er die Approbation erhalten. Nach ein paar Tagen war die Approbation ohne Schwierigkeiten gegeben. Nun sandte Pater Angelicus das approbierte Manuskript nach Schippach mit dem Wunsch, die Sache zum Drucke zu bringen.
Dort war man über diesen Erfolg zunächst nicht wenig überrascht und etwas ängstlich. Man fürchtete den kommenden Sturm, der in der Luft lag. Da aber Barbara Weigand unter dem Gehorsam ihres Seelenführers, Pater Felix Lieber stand, sandte sie das Manuskript an ihn, zu seiner Rückäußerung. Derselbe Franziskanerpater hatte nun auch schon einen Auszug des Eucharistischen Liebesbundes aus den Schriften gemacht, konnte ihn aber wegen der herrschenden Schwierigkeiten nicht zum Drucke bringen. Es fand sich auch, daß beide so ziemlich das gleiche trafen. Nur eine ganz nebensächliche Sache, glaubte Pater Felix, möchte geändert werden. Mit diesem Bescheid kam das Manuskript wieder nach Meran zurück. Um etwaigen späteren Schwierigkeiten zuvorzukommen, riet Pater Angelicus, die Neuänderung dieses Satzes nach Trient zu berichten, und das Manuskript nochmals approbieren zu lassen. Inzwischen war Generalvikar Hutter wieder nach Trient zurückgereist und approbierte dasselbe dann, wie es hernach gleich in den Druck kam, selbst. Es wurde also nachweislich in der Sache der Statuten des Eucharistischen Liebesbundes und seine späteren Approbationen allergrößte Sorgfalt und Korrektheit eingehalten.
Nun mußte ein geeigneter Verleger gesucht undgefunden werden. Pater Joseph Bergmiller, die treibende Kraft in dieser Sache, berichtete: wir wollten die Sache gleich in schöner Ausstattung herstellen lassen, auch wenn es teurer zu stehen käme, und entschieden uns für den Kunstverlag Müller in München. Nun benötigten wir auch die Druckerlaubnis der Diözese des Druckortes. Ich fragte bei Müller an, ob er auf die Vorlage von Trient auch in München die Druckerlaubnis erwirken könne. Er antwortete, daß das ohne alle Schwierigkeiten gehe, da er öfters Gebetszettel zur Approbation im Ordinariat München vorlege. Die Druckkosten wurden nicht von uns, sondern von Wohltätern bestritten. Besonders war es die sel. Frau Baronin Hoffmann von Meran, die unerschöpflich war in ihren Spenden.
P. Angelicus ruhte auch in Meran nicht nach den ersten deutschen Erfolgen. Er arbeitete rastlos, um den Eucharistischen Liebesbund in verschiedene andere Sprachen zu übersetzen und approbieren zu lassen. Eine providenzielle Persönlichkeit war auch die Frau Baronin Hoffmann. Sie hatte freundschaftliche Beziehungen mit Bischöfen und Prälaten der ganzen Welt, infolge ihrer großen Wohltätigkeit. Selbst war sie eine geborene Amerikanerin und Konvertitin, und eine große persönliche Freundin und Wohltäterin von den mit dieser Sache befaßten Priestern und Ordensleuten, die täglich für sie wie eine Mutter besorgt war.
Die erste fremdsprachliche Übersetzung war in das Italienische; dieselbe machte ein Mitglied des Generalates der Salvatorianer in Rom. Die Approbation und erste Drucklegung besorgte Frau Baronin von Heidenreich, welche den Erzbischof von Salerno gut kannte. Dann folgten eine französische und englische Übersetzung, die in Meran hergestellt wurden. Baronin von Heidenreich verhandelte über die neutrale Schweiz, wo sie auch ihre Freunde und Bekannten hatte, mit Bischöfen und Prälaten der genannten Länder wegen Approbation und Druck, da die erste Auflage immer von Meran aus bezahlt wurde. Alles glückte. Nur durfte man in diesen Ländern nicht erfahren, daß die Sache von Deutschland aus ging, sonst wäre alles von vornherein abgelehnt worden, denn man kannte die wahren Hintergründe, die in den Amtsstuben des Bischöflichen Ordinariats in Würzburg zur Ablehnung der Schippacher Sache kursierten. Haben wir es nicht auch hier mit einem übergeordneten Notstand zu tun, die eine solche Handlung notwendig machte?
Baronin von Heidenreich hatte in Rom einen großen Besitz (Villa Mattäi). So gingen die Briefe über die Schweiz an ihren Verwalter in Rom, und der mußte sie, als von dort ausgehend, in die genannten Länder weitersenden. Italien war ja damals auf der Seite unserer Feinde. Die englische Übersetzung ging auf diesem Wege durch die Frau Baronin von Heidenreich auch nach Amerika. Dort hatte sie einen noch lebenden Bruder, den sie ersuchte, die erste Auflage für Amerika zu bestreiten, und ein beigelegtes Schreiben an einen bekannten Bischof um Approbation weiter zu leiten.
Die französische, erste Auflage (5000 Stück), bezahlte eine reiche Dame in Meran. Die übrigen fremdsprachlichen Übersetzungen, wie polnisch, böhmisch, ungarisch etc. wurden von Mitgliedern der Gesellschaft des Eucharistischen Liebesbundes (Priester, Ordensleute und engagierte Laien, die dort in der Seelsorge tätig waren) geliefert. P. Angelicus war auch hier die treibende Kraft und seine Arbeit brachte gute Früchte hervor. Die erste Auflage wurde auch anderswo von Wohltätern und Gönnern der Sache des Liebesbundes bezahlt. Während in Deutschland der Eucharistische Liebesbund wegen der Ablehnung seitens der kirchlichen Behörden jahrelang das Licht der Welt nicht erblicken konnte, war er in so kurzer Zeit fast in der ganzen Welt verbreitet. Spanische Übersetzungen kamen ja auch noch dazu.
Zu Hunderttausenden von Exemplaren war nun der Eucharistische Liebesbund über die Welt verbreitet, als in Deutschland der Sturm gegen Schippach und den Liebesbund losbrach, und wie ein Raureif über die Saat Gottes hinweg fegte. So ziemlich alle katholischen Zeitungen liefen Sturm in ihrem Eifer um Erhaltung des religiösen Lebens und des katholischen Glaubens, der durch den Liebesbund arg gefährdet schien. Kaum eine einzige wußte aber dabei, um was es sich eigentlich handelte. Von allen Kanzeln wurde die Verurteilung verkündet, und die armen, schuldlosen Anhänger vom Liebesbund als Erzketzer gebrandmarkt. Trotz allem wurden die Mitglieder und Anführer der Bildung eines Dammes, den der Herr von ihnen verlangte, gegen all den Unglauben, Irrglauben und das Freimaurertum, an der Sache nicht irre, und sahen darin eine schwere Prüfung Gottes.
Selbst Bischof Ketteler (Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler, geboren 25. Dezember 1811 in Münster, gestorben 13. Juli 1877 im Kapuzinerkloster in Burghausen, Landkreis Altötting, katholischer Bischof von Mainz, wurde 1844 zum Priester geweiht, am 15. März 1850 zum Bischof von Mainz berufen und am 27. Juli 1850 durch den Freiburger Erzbischof Hermann geweiht. Gemeinsam mit Ludwig Windthorst gründete er die Zentrumspartei, ein Gegengewicht zu den protestantischen Parteien und insbesondere Otto von Bismarck. Er liegt im Mainzer Dom begraben) sagte, als der Sturm schon losgebrochen war, zu einer Generaloberin, mit der er öfters zusammenkam, und die auch eine Förderin von Schippach war, „Den Liebesbund werde ich nie verbieten, das ist eine gute Sache!“ Aber auch er mußte sich zuletzt nolens-volens vor dem öffentlichen Zeitungssturme beugen. Fräulein Kreszenz Halder in Saulgau hatte mit großem Eifer den Vertrieb des Eucharistischen Liebesbundes gefördert. Alles Geld, das sie dafür einnahm, und alle Almosen, verwendete sie wieder zum Neudruck von Liebesbundzetteln.
Pater Joseph Bergmiller erinnert sich in seinem schriftlichen Bericht auch an folgende Begebenheit: Nach dem allgemeinen Verbot des Eucharistischen Liebesbundes schrieb Fräulein Kreszenz Halder an mich nach Meran, was sie nun mit den vorhandenen Zetteln anfangen solle, sie glaubte, es sei am besten, dieselben nach Schippach zu schicken, da es doch schade wäre, sie zum Feuer zu verurteilen. Es seien noch ziemlich viele da. Ich war damit einverstanden.
Nach über fünfundzwanzig Jahren Dornröschenschlaf kam endlich das Wiedererwachen durch eine Erlaubnis des Erzbischöflichen Ordinariates München, das am 1. Mai 1941 in seine Hände kam, und die Approbation des Liebesbundes vom 29. Mai 1914 als wieder rechtskräftig zugestand. Auch das Ordinariat Aachen, dort war ja in den Jahren 1916/18 der heftigste Kampf gegen den Liebesbund von allen Kanzeln herab entbrannt, hatte kurz zuvor in entgegenkommendster Weise sich für eine Approbation des Liebesbundes bereit erklärt. Auch andere Ordinariate streckten nun die Waffen. Nun zeigte es sich auch, wie die Vorsehung Gottes für die Erhaltung und sofortige Wiederverbreitung des Eucharistischen Liebesbundes Sorge getragen hatte. In einer großen Anzahl von bald 100.000 Liebesbundzetteln, die aus der Zeit der Gründung noch verpackt auf einem Dachboden verfügbar waren, wurde sodann erneut die Verbreitung des Gedankens des vom Herrn ausdrücklich geforderten Eucharistischen Liebesbundes vollzogen, zumal in einer Zeit, in der eine äußerste Papierknappheit und sonstiger Mangel vorherrschte. Gottes Hand war so lange Zeit schützend über Seine Schippacher Sache. Er läßt Seine Werke zwar bekämpfen, aber nicht vernichten. Er wird ganz gewiß Seine Sache zum glorreichen Siege führen.
Pater Joseph Bergmiller schließt seine schriftlichen Notizen mit den Worten: Da mir gegenwärtig keine authentischen Aufzeichnungen zur Verfügung stehen, und ich alles hier Geschriebene aus dem Gedächtnis wiedergegeben habe, könnte es sein, daß ich den Wortlaut von Zitaten vielleicht nicht immer ganz genau getroffen habe. Aber das ändert dann am Sinne gar nichts. Gebe Gott, daß dieser mein kurzer Bericht über die Entfaltung und Verbreitung des „Eucharistischen Liebesbundes des göttlichen Herzens Jesu“ ein kleines Scherflein zur Förderung der großen Schippacher Bewegung beitragen möge.
In der Folgezeit erlebte der Gebetsbund (als solcher sollte er ja die Herzen der frommen Kirchgänger erobern) auch in Deutschland eine günstigere Beurteilung bei den Bischöflichen Behörden. Im Jahre 1919 schon approbierte Köln die Liebesbundgebete, im Jahre 1933 Münster, 1934 Aachen, das inzwischen zu einem eigenen Bistum erhoben worden war, 1941 erneuerte München seine Approbation von 1914, im gleichen Jahre Aachen und Metz. Die folgende Übersicht möge diese Entwicklung veranschaulichen, soweit sie dem Verfasser authentisch möglich ist; Anspruch auf Vollständigkeit erhebt die Liste nicht:
Roermond approbiert das Morgen und Abendgebet:
Für das Morgengebet: „Imprimatur. Ruremundae, 11. Nov. 1909. Dr. L. v. Thuje, Prof., libr censor.“
Für das Abendgebet: „Imprimatur. Ruremundae, 11. Nov. 1910. Dr. P. Mannens, Vic. Gen.“
Trient: „Nihil obstat. Jos. Hutter, censor eccl. Nr. 728 Eccl. Imprimatur Tridenti,
die 6. Aprilis 1914. Eug. Mattevi, Vic. Gen.“
Salerno: „Salerno, cal P. A., 16. Maggio 1914, Valerio Arciv. di Salerno,
Amm. Perp. di Acerno. L. S. E. M. D'Alessio, P. A. Segret. Approviamo e benediciamo di gran Cuore la Pia Unione Eucharistica di amore col Sacro Cuore di Gesü, inculcandone la piü larga diffusione. Accordiamo 1'lndulgenza di 100 giorni ä chiunque recita 1'atto di consecrazione o la preghiera del mattino e della sera.“
München: „Nihil obstat. Monachii, die 29. Maii 1914. Neudecker, Vic. gen.“
Temesvar: „Nihil obstat. Stephanus Fiedler, censor eccl. 1886/1914. Imprimatur.
Temesvarini, die 30. Ma;i 1914. Julius m. p. episcopus Csanad.“
Augsburg: „Imprimatur. Augustae Vindelic. die 23: August 1914. Dr. Göbl, Vic. gen.“
Fünfkirchen: Der Bischof von Fünfkirchen (Ungarn) bittet in einem Gesuche vom 23. Februar 1915 den Heiligen Vater um Einführung des Liebesbundes in der ganzen Kirche (Wortlaut im letzten Kapitel dieses Buches).
Hertogenbosch: „Imprimatur. Buscoduci die 27. Aug. 1915. J. Pompen, Vic. gen.“
Köln: „Mit kirchlicher Genehmigung. Köln, den 10. April 1919. Das Erzbischöfliche Generalvikariat: Dr. Vogt.“
Münster: „Imprimatur. Monasterii, die 30. Novembris 1933. N. L. 1284. Meis. Vic. Eppi G'lis.“
Aachen: „Mit kirchlicher Druckerlaubnis. Aachen, den 16. Juni 1934. Das Bischöfliche Generalvikariat: Sträter.“
München, dem im Jahre 1941 ein Liebesbundzettel aus dem Jahre 1914 vorgelegt wurde mit der Anfrage, ob seine Approbation vom 29. Mai 1914 noch gültig sei, antwortete: „Die Approbation vom 29. Mai 1914 kann (ohne förmliche Erneuerung) zur Not aufrechterhalten werden, wenn auch der Text S. 3 dem geläuterten christlichen und liturgischen Geschmack nicht mehr entspricht. L. S. München, den 27. April 1941. Buchwieser, Gen.V.“
Aachen wünschte im Jahre 1941 für einen Neudruck lediglich die Abänderung des Wortes „unendlich“ im Abendgebet in „unermeßlich“. „Aachen, den 13. Mai 1941. Bischöfl. Generalvikariat: I. Nr. 184 II/41.“ Hierzu muß bemerkt werden, daß der auf Barbara Weigand zurückgehende Originaltext des Abendgebetes (5. Freitag März 1900) das Wort „unendlich“ nicht hat; es wurde erst von P. Felix eingefügt.
Metz: Auf die Anfrage von P. Felix Lieber, ob der Liebesbund in der Diözese Metz sich betätigen dürfe, antwortete der zum Bistumsverwalter bestellte Generalvikar A. Louis: „Bischöfliches Ordinariat Metz. Metz, den 1. November 1941: Ihren werten Brief habe ich mit großem Interesse gelesen, die Broschüre über den Liebesbund gleichfalls. Ich kann Ihnen ruhig sagen, daß einer Verbreitung derselben in unserer Diözese nicht bloß nichts im Wege steht, sondern daß dies durchaus zu begrüßen ist. Mögen nur in diesen schweren Zeiten recht viele Seelen erstehen, die von inniger Liebe zum Eucharistischen Herzen durchglüht, sich als Opferseelen ihm darbringen. Wir können nur dadurch wieder bessere Zeiten erlangen. Der Text des täglichen Gebetes entspricht so recht den Anforderungen unserer Zeit und all unseren Anliegen. Ihr ergebenster in Christo: A. Louis, Generalvikar.“
In der Zusammenfassung zu diesem öffentlichen Bekenntnis frommer Bischöfe ist, auch aus heutiger Sichtweise, unverrückbar festzustellen: Barbara Weigand erhielt vom Herrn den Auftrag zur Gründung des Eucharistischen Liebesbundes. Dieser Liebesbund soll ein rettender Damm sein gegen die allgemeine Glaubenslosigkeit, Vergnügungssucht, Kreuzesflucht, eine Gebetsarmee unter allen Ständen. Die Mitglieder sollen sich auszeichnen durch Kreuzesliebe, Sühnebereitschaft, Hingabe ihrer selbst, Förderung des eucharistischen und kirchlichen Lebens, Unterstützung des Priestertums, Wahrung der Rechte der heiligen Kirche: Ist das nicht Katholische Aktion in reinster Form? Ist Barbara Weigand nicht auch hier, in der Katholischen Aktion, bahnbrechend vorausgeeilt? Der große Papst Pius XI. hat die Idee seiner Katholischen Aktion so schön und klar zusammengefaßt in seinem durch ihn mit einem vollkommenen Ablaß ausgezeichneten Gebete: „O Jesus Christus! Wir huldigen dir als dem König der Welt. Verfüge daher über mich als dein Eigentum. Ich verspreche als ein guter Christ zu leben, alle Kräfte aufzubieten, um den Rechten Gottes und der Kirche zum Siege zu verhelfen. Dir übergebe ich meine armseligen Handlungen. Mögen alle Herzen Dein heiliges Königtum anerkennen und so Dein Friedensreich auf der ganzen Welt fest begründet werden!“
Genau dasselbe Ziel hatte sich der von Barbara Weigand gegründete Eucharistische Liebesbund gestellt. Auch diesen Bischöfen und ihren Bischöflichen Leitungsorganen standen inzwischen umfassende Unterlagen aus der Sendung der Schippacher Jungfrau und Gottesdienern Barbara Weigand zur Verfügung und mit ihr auch den vielen mit ihr darin verbundenen geistlichen Herren aus allen Schichten der katholischen Kirche, die eindeutig und unverfälschlich den Willen Gottes in den Botschaften des Herrn an Sein Werkzeug Barbara Weigand erkannten und anerkannten und sich mit ihren Aktivitäten in Seine Dienste nehmen ließen.
Es sei auch und mit Freude und aufrichtiger Bewunderung daran erinnert: Das Leben und Wirken der Barbara Weigand von Schippach, das von tiefen mystischen Erfahrungen erfüllt war, gibt Zeugnis von einer schlichten Gottsucherin. Ihr schriftlicher Nachlaß, der in interessierten Kreisen unter dem Titel „Schippacher Schriften“ schon früher einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte, ist eine Fundgrube für jeden, der nach spirituellen Werten tief christlicher Prägung sucht. Das hohe geistliche Niveau dieser Schriften läßt sich nicht auf eine „rein natürliche Begabung“ der „Seherin von Schippach“, wie sie einmal in einem Buchtitel bezeichnet wurde, zurückführen. Schließlich war sie nur ein einfaches Landmädchen aus dem armen Spessartdorf Schippach. Das Geheimnis ihres Lebens ist in ihrem brennenden Verlangen nach dem häufigeren Empfang des Leibes Christi in der heiligen Messe begründet. Ihr halbes Leben lang rang sie um dieses Gnadenprivileg, bis es endlich im Jahr 1905 durch die Kommuniondekrete vom heiligen Papst Pius X. allen Gläubigen gewährt wurde. Geheimnisvoll zog Jesus Barbara Weigand in Seine vertrauensvolle und zugleich unbegreifliche Nähe, als Er beim Beten des Kreuzweges in der Mainzer Kapuzinerkirche, wie sie selbst berichtet, plötzlich vor sie hintrat und sie nach ihrer Leidensbereitschaft fragte: „Meine Tochter, bist du bereit, mit Mir zu leiden?“ Erst nach einem dreitägigen Ringen mit sich selbst gab sie, nicht leichten Herzens, ihr Jawort zu einem Leben, das von vielen, meist leidgeprägten, mystischen Erlebnissen bestimmt war.“
So oder ähnlich, aber immer wieder deutlich und mahnend, haben wir auch schon in vorangegangenen Vorworten geschrieben. Aber getan hat sich bisher nur wenig, was die Aufarbeitung der Wahrheit über Schippach betrifft. Und der Fingerzeig Gottes ist auch weiterhin auf Würzburg gerichtet. Deshalb auch dieser Schritt der Öffentlichmachung wichtiger Dokumente, die den wahren Sachverhalt um die Schippacher Angelegenheit und bisher unbekannten Hintergründe verdeutlichen und damit auch öffentlich machen sollen. Es muß uns damit gelingen, die Einsichten bei den wohlmeinenden kirchlichen Vorgesetzten in Würzburg zu wecken, die Wahrheit in der Schippacher Sache zu befördern und den guten Ruf der Gottesdienerin Barbara Weigand und mit ihr aller Beteiligten, Priester, Ordensleute und engagierten Laien, wieder herzustellen und zu würdigen.
Schon am 20. März 1993 hat unser damaliger Bischof von Würzburg, S. Exz. Paul-Werner Scheele anläßlich eines Pontifikalamtes zum 50. Todestages von Barbara Weigand in der St. Pius-Kirche in Schippach eine höchst bemerkenswerte Predigt gehalten, in der er das Frömmigkeits- und Tugendleben von Barbara Weigand in ein ganz besonderes Licht gestellt und daselbst auch das Vereinsgebet (Morgengebet) des Eucharistischen Liebesbundes fast vollständig zitiert hat. Wir erlauben uns nicht, nur auszugsweise diese Predigt zu zitieren, sondern wollen dieselbe wegen ihres herausragenden Bekenntnisses zur Schippacher Jungfrau Barbara Weigand und ihre Sendung vollständig und wortgetreu weitergeben:
Predigt
„Freu dich, Stadt Jerusalem! Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart. Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung“ (vgl. Jes 66,10f.).
Mitten in der Fastenzeit werden wir eingeladen, den Sonntag Laetare zu feiern. „Freut‘ euch!“ ruft uns Gottes Wort zu. Freut‘ euch inmitten aller Traurigkeit! Freut‘ euch mit Jerusalem, seid fröhlich zusammen mit dem ganzen Volk Gottes! Freut euch über die Quelle göttlicher Tröstung und trinkt euch satt aus ihr!
Diese Worte am Beginn der Laetare-Liturgie gewinnen für uns einen besonderen Klang, wenn wir auf das Leben von Barbara Weigand zurückschauen, die vor 50 Jahren heimgerufen wurde. Sie hat in Kreuz und Leid inmitten der Kirche aus den Quellen des Erlösers geschöpft; sie war darauf aus, die empfangenen Gaben möglichst vielen mitzuteilen. Sie kann uns helfen, den Weg zur Freude zu finden und zu gehen, auf den uns Gott ruft.
Wir wollen dem Herrn für alle Hilfen danken, die er durch seine treue Dienerin vielen Menschen geschenkt hat. Wir wollen ihn um die Vergebung unserer Sünden bitten und uns ihm aufs neue anvertrauen, uns persönlich, unsere Kirche und die ganze Welt.
Zeichen des Friedens
Mitten in den Nöten des Ersten Weltkrieges sagte Barbara Weigand im Blick auf das Gotteshaus, in dem wir hier versammelt sind: „Jedes Fest, das in dieser Kirche gefeiert wird, soll ein Abglanz des siebenfarbigen Regenbogens nach der Sündflut sein und ein Zeichen, daß ich mit der Menschheit Frieden geschlossen habe.“ (W. Büttner, Barbara Weigand von Schippach - Ein Leben für Gott und sein Reich, Elsenfeld 1991, 253, zit.: B). Diese Worte können uns bewußt machen, was jede Eucharistiefeier bedeutet und bewirkt. In jeder Hl. Messe ist der Herr in unserer Mitte, der unser Friede ist (vgl. Eph 2, 14). Der Herr ist da, der den Frieden nicht mit dem Blut anderer erzwingt, sondern mit dem eigenem Blut erkauft. Am Ende jedes Meßopfers steht die Sendung: „Gehet hin in Frieden!“ „Gehet hin, lebt in Frieden, bringt Frieden!“ „Sucht den Frieden und jagt ihm nach!“ (vgl. 1 Petr 3,11) „Stiftet Frieden!“ (vgl. Mt 5,9).
Was gehört zu diesem unserem Friedensauftrag? Die heutige Liturgie gibt uns darauf eine dezidierte Antwort. Barbara Weigand kann uns helfen, diese Antwort zu verstehen und diesen Dienst zielstrebig wahrzunehmen. Sie schenkt uns diese Hilfe durch ihr Zeugnis von der Gnade Gottes (I) durch ihr Zeugnis eines wahrhaft christlichen Lebens (II) und durch ihr Zeugnis von der „Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit“ (Eph 5,9) Christi. (III).
Friedensdienst
I. Zeugnis der Gnade Gottes
Wie die kleine Therese sagt uns Barbara Weigand: „Alles ist Gnade!“ (Die letzten Worte der Therese Martin, Trier 1958,23). In ihrer Lebensgeschichte spiegelt sich wider, was in den drei Lesungen der heutigen Liturgie von der Gnadenwahl Gottes berichtet wird: Wir erfahren, wie der Prophet nicht in das große Jerusalem, sondern ins kleine Betlehem gesandt wird. Dort sind nicht die sieben stattlichen Söhne Isais von Gott erwählt, der jüngste ist es, der die Schafe hütet. Im Evangelium wird geschildert, wie ein verachteter Blindgeborener der Gnade des Herrn teilhaft wird. Die Jünger verbinden dessen Blindheit mit menschlichem Versagen. Sie fragen: „Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, so daß er blind geboren wurde?“ Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden“ (Joh 9,2f) Im Epheserbrief wird noch Schlimmeres genannt als die Blindheit. Der Apostel spricht vom Finsternissein. Er dankt Gott dafür, daß Menschen, die Finsternis waren, „durch den Herrn Licht geworden sind.“ (Eph 5,8).
Diese Weise des göttlichen Gnadenwirkens kennzeichnet das äußere Geschick von Barbara Weigand und findet zugleich ein starkes Echo in ihrer persönlichen Einstellung. In dörflicher Umgebung wächst sie in bescheidenen Verhältnissen heran. Eine ordentliche Berufsausbildung bleibt ihr ebenso versagt wie ein akademisches Studium, und dennoch vermag sie viele Menschen selbst über die Grenzen Deutschlands hinaus anzusprechen; auch 50 Jahre nach ihrem Tod findet sie noch Beachtung.
II. Zeugnis des christlichen Lebens
Von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter steht Barbara Weigand im Dienst ihrer Mitmenschen. Schon früh wird zu Hause ihre Hilfe gebraucht, da ihre kränkliche Mutter vieles nicht schaffen kann. Mit praktischem Sinn bewährt Barbara sich in Haus und Hof, Wald und Feld. Als sie ihrem Bruder nach Mainz folgt, wächst das Arbeitspensum und mit ihm ihre Verantwortung. 20 Jahre lang bewährt sie sich in den verschiedensten Tätigkeiten, die in einem städtischen Wirtschaftsbetrieb anfallen. Überdies erweist sie sich als geschickte Krankenpflegerin. Nach Schippach zurückgekehrt schafft sie dort schier unermüdlich bis sie im gesegneten Alter von 97 Jahren heimgerufen wird.
Ein Gebet, das von ihr überliefert ist, läßt uns die Quellen ihrer Kraft erkennen und den Geist, in dem sie sich Tag für Tag an die Arbeit macht. Es beginnt mit den Worten: „O Jesus, du Bräutigam meiner Seele, ich opfere Dir beim Beginn dieses Tages alle Leiden und Widerwärtigkeiten auf, die mir bei Ausübung meiner Standes und Berufspflichten begegnen werden. In Vereinigung mit Dir will ich heute wiederum das Kreuz meines Berufes tragen, gleich wie Du Dein schweres Kreuz den Kalvarienberg hinaufgetragen hast, und ich verspreche Dir, mit Deiner Gnade auszuharren in diesem meinem Beruf bis zum letzten Atemzug meines Lebens“ (B 47). Hier zeigt sich, daß für Barbara Weigand das Beten mehr ist als irgendeine religiöse Pflichterfüllung: Beten ist Lieben, mit ihren Worten gesagt: „Beten heißt: dem innersten Zug des Herzens folgen und der Quelle aller Güte sich nahen“ (B 50). Im liebenden Beten und betenden Lieben öffnet sich ihr Herz weit für die Nöte der Menschen wie für die Gnade Gottes. So bittet sie: „O Herr, gib mir... ein Herz so groß und weit wie die ganze Welt, verteile es sovielmal als es Menschenherzen gibt, damit ich für alle Menschen dich lieben, loben und preisen könne!“ (B 50)
In einem solchen Herzen bringt Christus, das Licht, so wie es die 2. Lesung sagt „lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor“ (Eph 5,9).
III. Zeugnis der Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit Christi
Als der Blindgeborene von Christus das Augenlicht empfängt, behält er dieses Geschehen nicht für sich. Er teilt mit, was er erfahren hat. Er tut es, ob man ihm dafür dankt oder nicht. Das Licht, das in sein Leben gefallen ist, soll auch anderen zugute kommen, mit dem Apostel gesprochen: „Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.“ (Eph. 5,9)
Schmerzlich muß der Blindgeborene erfahren, daß manche sich dem Licht gegenüber verschließen. Sie wollen nicht wahrhaben, was geschehen ist. Das ist besonders bei den Pharisäern der Fall. Sie berufen sich auf ihr Wissen und ihre Frömmigkeit und verwerfen das Zeugnis des Blindgeborenen. Am Ende verstoßen sie ihn. Ähnliche Erfahrungen bleiben auch Barbara Weigand nicht erspart. Das hindert sie nicht daran, unverdrossen weiterzugeben, was sie empfangen hat. In ihren Augen ist das eine elementare Pflicht des Dankes.
Mit Entschiedenheit will sie danken und dies auch stellvertretend für alle Undankbaren tun. Ihr Entschluß heißt: „Ich sage dir Dank ... für jene, die dich nicht kennen und nicht lieben, die dich hassen und leugnen“. Sie fügt hinzu: „O daß mein Herz sich erweitern könnte, so groß wie die ganze Welt, o daß ich es in so viele Splitter verteilen könnte als es Menschen gibt, die dich nicht lieben!“ (B 35). Barbara Weigand weiß, daß Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit Herzenssache sind. Sie ist bereit, nicht nur diese Gottesgaben mitzuteilen, sondern überdies ihr Herz gleichsam teilen zu lassen; sie will überall dort ihr Herz sprechen lassen, wo andere herzlos sind. Dabei ist sie sich dessen bewußt, daß ein solches Tun einen hohen Preis fordert. Sie ist entschlossen, ihn zu zahlen, selbst wenn es nur um das Heil eines einzigen Menschen gehen würde. Sie sagt dem Herrn: „Ich übergebe die meine ganze Person; so will ich alles aushalten, leiden und dulden, wenn ich nur eine einzige Seele mehr rette“ (B 38).
In dieser Gesinnung erträgt sie das Leid, das Vertreter der Kirche ihr bereiten. Alle bitteren Erfahrungen bringen sie indes nicht davon ab, die Kirche mit ganzer Kraft zu lieben. Während heutzutage viele Christen mit den Wölfen heulen und die Attacken von Glaubensfeinden auf die Kirche noch unterstützen, setzt sich Barbara Weigand tapfer und treu für die Kirche Christi ein, insbesondere für Papst, Bischof und Priester. Frohen Herzens dankt sie für die Gnade, zur katholischen Kirche gehören zu dürfen. Begeistert will sie möglichst viele in diese Freude, in dieses Danken hineinnehnen: „O, freut euch mit mir, die ihr zu dieser Kirche gehört! Wie schön, wie wahr ist alles, was sie lehrt! Hört doch die Stimme ihrer Hirten! Wie glücklich sind diejenigen, die der Stimme der Kirche Gehör geben, nicht nur ihre Gebote sollt ihr halten, sondern sondern ihrem leisen Wink folgen!“ (B 81) Ihr Verhältnis zur Kirche und zugleich zu allen Menschen wird blitzartig deutlich, wenn wir ihren doppelten Appell hören: „Je enger ihr euch an die Kirche anschließt, desto reichlicher der Segen“. „Alle müssen dazu beitragen, daß das Reich Gottes ausgebreitet werde“ (B 87). Das gilt für jeden einzelnen von uns!
Wir wollen uns bei allen Leserinnen und Lesern für die großartige Unterstützung und Treue im vergangen Jahr bedanken.
Für das Jahr 2012 wünschen wir ihnen von Herzen alles Gute, Gottes Segen und den besonderen Beistand der Gottesmutter Maria!
Friedrichsdorf, im Dezember 2011.
(Die Schrift ist als Manuskript verfaßt und wird nicht öffentlich verbreitet.)
Aus Freude am wahren katholischen Glauben!
Jesus.Maria.Joseph.
Wolfgang E. Bastian
Herausgeber „Offenbarungen an Barbara Weigand“
Sekretär „Eucharistischer Liebesbund des göttlichen Herzens Jesu“
Verantwortlich für den Inhalt: Wolfgang E. Bastian, Postfach 1126 in 61362 Friedrichsdorf


