25. August 2009
Pfarrer Alfred Stürmer, Fellen:
Das Leben von Barbara Weigand von Schippach war geprägt von einer tiefglühenden Heilandsliebe und Treue zur heiligen Kirche.
Barbara Weigand, deren Leben (1845 - 1943) weitgehend von einer ‚Leidensmystik‘ bestimmt war, ist für Gottsuchende eine Wegweiserin zu Jesus Christus, dem Herrn und Haupt Seiner Kirche. Ihre ‚Sendung‘, ersichtlich aus ihren vielen Visionen und Auditionen, erschließt sich dem Betrachter erst gänzlich mit dem Voranschreiten der Zeit. Peter Lippert, der bekannte Jesuitenpater und Priesterdichter, Prediger und Artikelschreiber, der Barbara Weigand sehr schätzte und auch öffentlich verteidigte, schrieb wohl in diesem Zusammenhang die bemerkenswerten Worte: „Gott braucht zuweilen Menschen, die dem Tag vorauslaufen, um ihn anzumelden! Aber sie müssen sterben, bevor der Tag kommt“. Barbara Weigand hört Jesus bei ihren Lautekstasen sagen: „Es ist nicht für deine Zeit bestimmt, sondern für eine spätere!“ Heute, über 100 Jahre nach ihren erlebten und erlittenen mystischen Begegnungen, vor allem mit Jesus und Seiner heiligen Mutter Maria, gewinnen diese aufgrund ihrer prophetischen Ausrichtung mehr und mehr an Bedeutung für unsere Kirche in ihren gegenwärtigen Bedrängnissen und krisenhaften, schmerzlichen Erfahrungen. Man kann es ohne Übertreibung als ein Geheimnis der göttlichen Vorsehung bezeichnen, daß der ‚Schatz der vielen mystischen Niederschriften‘ seine einstige Einsargung über viele Jahrzehnte hin überlebt hat und erhalten geblieben ist, und der jetzt als „Offenbarungen an Barbara Weigand“ in sieben Bänden gedruckt vorliegt und inzwischen auch weite Verbreitung gefunden hat. Die „Barbara-Weigand-Gesellschaft e.V.“ Elsenfeld-Schippach, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das geistliche Vermächtnis von Barbara Weigand mit ihrem glaubensstarken Leben in unsere Gegenwart gegenständlich zu machen und allen Interessierten dafür einen authentischen Zugang zu verschaffen, zumal das Interesse an echter Mystik und katholischer Spiritualität spürbar zunimmt. Bischof Friedhelm von Würzburg hat Barbara Weigand in einem jüngsten Grußwort an die bevorstehende Generalversammlung der Gesellschaft am 3. Oktober 2009 in Schippach eine vorbildliche Eucharistieverehrerin genannt.
Die Heilige Eucharistie, deren Verehrung und Empfang, war das große Thema ihres Lebens. Bis zu ihrem 58. Lebensjahr litt sie unter den rigorosen kirchlichen Bestimmungen eines überholten Jansenismus, die den Gläubigen den Empfang der Hl. Kommunion auf nur wenige Festtage im Jahr beschränkten. Ihre Sehnsucht nach dem regelmäßigen Empfang des Altarsakraments, dem ‚Brot des Lebens‘, wurde endlich im Jahr 1905 durch die ‚Oftkommuniondekrete‘ des Hl. Papstes Pius X. gestillt. Dafür hatte sie jahrzehntelang die größten Opfer gebracht. Für den Empfang der Hl. Kommunion, der ihr in ihrem Heimatdorf Schippach verwehrt war, ging sie jahrelang wöchentlich mehrmals in das 21 km entfernte Kapuzinerkloster in Aschaffenburg in einem strapaziösen Fußmarsch von mehreren Stunden, wo ausnahmsweise die Gläubigen in aller Frühe vor der Hl. Messe kommunizieren durften, Ausdruck ihrer grenzenlosen Opferbereitschaft und innigen Liebe zu Christus, dem sie sich von Jugend an in jungfräulicher Verbundenheit und Leidensgemeinschaft verbunden fühlte.
Man muß mit eigenen Augen in den aufgezeichneten Anmutungen und Beschauungen der Barbara Weigand von Schippach gelesen haben, wie diese Person selbst ihre über das gewöhnliche Maß nicht hinausgehende Glaubenserkenntnis oft sehr gering eingeschätzt hat. Erst dann versteht man, wie verkehrt es ist, dieser Person die Absicht der Begründung eines neuen „theologischen Systems“ zuzuschreiben. Des öfteren spricht sie unverhohlen die Befürchtung aus, daß sie infolge ihrer geringen Kenntnis die ihr eingegebenen Gedanken nicht ganz richtig wiedergibt. So demütig und offen spricht niemand, der sich in dem Wahn befindet, die Welt mit einem neuen „theologischen System“ zu beglücken, wie ihr das vor allem durch kirchliche Autoritäten unterstellt wurde und sie dieserhalb unglaubliche Verfolgung und Verspottungen in ihrem Leben hinnehmen musste. Barbara Weigands Verdienst aber ist es auf jeden Fall, daß sie zu einer Zeit, wo so viele mit dem Strom des Zeitgeistes schwammen, sich um so enger und inniger der alten Übernatürlichkeitsrichtung ihres Glaubens, dem Heiland, Seinem göttlichen Herzen, Seiner jungfräulichen Mutter und an die Gnadenquellen der Kirche anzuschließen suchte. Bei der heutigen ungeheuerlichen Verbreitung von Unglauben und Sittenlosigkeit, welche die Menschen von dem Gebrauch der ordentlichen Heilsmittel vielfach gänzlich abgebracht haben, ist der Gedanke und Wunsch durchaus korrekt, daß es Gott gefallen möge, durch außerordentliche Mittel die Menschen wieder zum eifrigen Gebrauch der ordentlichen Heilsmittel zurückzuführen. Dazu zählen: der Eucharistische Liebesbund, die andauernde Verehrung des Allerheiligsten Altarsakramentes und das eifrige Studium der Schippacher Schriften. Es ist dringend an der Zeit, durch häufigere Nutzung der angebotenen Gnadenmittel unserer heiligen Kirche, als da sind der lebendige Glaube, der eifrige Empfang der Sakramente, die Nachfolge Jesu im Kreuztragen, die Hochschätzung der Jungfräulichkeit, die wahre und echte Nächstenliebe und eine unverbrüchliche Treue zu Kirche und Papsttum, wieder zurückzukehren zu einem tiefempfundenen und lebendigen Glaubensleben in dem einen wahren Schoße unserer heiligen Kirche. Barbara Weigand kann uns darin ein wichtiger Wegweiser und ‚Erntehelfer‘ sein.
Pfarrer i. R. Alfred Stürmer, Kirchweg 3 in 97778 Fellen.
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